In den zweiten Gastbeiträgen stelle ich eine Künstlerin vor, die micht nur schriftstellerisch tätig ist, sondern auch wundervolle Aquarelle malt. Auf der Homepage:

http://www.hans-brakhage.de/belgaraths-turmzimmer/alayna1.html

können Sie einige ihrer Werke bewundern. Zum kennenlernen, und/oder neugierig machen, hat sie mir erlaubt, dieses Bild zu veröffentlichen.


Nun folgen schriftliche Beiträge von meiner lieben Freundin Alayna

Viel Freude beim Lesen,
Ihre Petra R. Müller

Sir Henry

 

Langsam schwebte er hernieder, majestätisch wunderbar.

Er reckte seinen Hals, beobachtete die Gegend.

Kein Rivale in Sicht.

Das wäre ihm wohl auch nicht gut bekommen.

Da Sir Henry ein außergewöhnlicher Vogel war.

Mit seinem Gefieder in schwarz, weiß,

dem roten Schnabel war er sehr stattlich.

 

Kurze Zeit darauf landete seine Angetraute, Adelheit.

Ein Stückchen weiter entfernt,

sie war schließlich eine Dame, wollte umworben werden.

Als erstes wurde der alte Horst inspiziert.

Bis auf ein paar fehlende Äste schien er vollkommen intakt zu sein.

 

„Hier ist kein Platz für dich,“

 rief Sir Henry einem vermeintlichen Gegner entgegen,

begleitet mit einem lauten Geklapper und Flügelschlagen.

„Fort, fort mit dir, was willst du?“

 

„Henry wer war das?

Etwa Oskar, der Krummschnabel?“

„Nein, nein, ein unwichtiger Patron,

ich lasse niemanden an dich heran.“

 

Nach dieser kurzen Episode,

wandte Sir Henry sich ganz dem Ausbessern des Horstes zu.

Adelheit schaute gelangweilt durch die Wiesen.

Es hatte sich nicht viel verändert seit dem letzten Jahr.

 

Den Winter über waren sie in Afrika gewesen,

einem heißen, unwirklichen Land.

Hier im hohen Norden,

fast an der Küste, gefiel es ihr bedeutend besser.

 

Unter anderem die vielen Verehrer,

die um sie herumschwirrten.

Sie genoss es in vollen Zügen,

dennoch wusste sie genau, wo sie hingehörte.

Man blieb sich schließlich treu, als Storch, ein Leben lang.

 

So ein kleiner Flirt ab und an war nicht zu verachten.

Sir Henry war dann immer so herrlich aufgebracht,

vertrieb seine Rivalen mit einer Kraft, zum dahinschmelzen.

Jetzt ignorierte sie ihn erstmal.

Er sollte schließlich um sie werben.

Die Liebe musste neu entflammt sein,

bevor man seinen Körper teilte.

 

Da kam er schon,

umkreiste sie mit kräftigen Flügelschlägen,

landete direkt neben ihr.

„Traum meiner schlaflosen Nächte, erhöre mich,

Wonne meines Herzens.“

 

Hat er jetzt einen Groschenroman gelesen, dachte sie.

Na, das hört sich ja merkwürdig an.

Sir Henry zupfte an seinem Gefieder, wurde ganz nervös.

Er sah keine Wirkung auf sein Gesäusel.

Was hat sie denn nur,

habe extra meinen alten Freund Archibald gefragt,

was er seiner Edda so flüstert?

Oh,  ja, Adelheit ist halt nicht Edda,

 wie konnte ich das vergessen.

Sie stand nicht auf solch hohlen Sprüche.

Meine Liebste mag die direkte Ansprache,  die soll sie haben.

„Adelheit, mein schönes Weib,

lass dich in meinen Horst tragen,

uns vereinen unter der Sonne Schleswig Holsteins.“

 

Mensch war ich gut dachte Henry.

„Ach Henry, ich dachte schon,

du hättest dir was von Archibald abgeschaut.“

Jetzt war Henry ganz verwirrt,

wollte sie jetzt doch dieses blöde Gerede?

„Was ist los mein großer starker Vogel,

 wirf den Turbo an, lass uns verschwinden.“

 

Da fiel ihm ein Stein vom Herzen.

Ja, das war seine Adelheit, kein schnick, kein schnack, ruck zuck,

fertig war der Frosch.

 

Glücklich vereint flogen sie zu ihrem Nest.

Den Körper zu teilen war das Schönste an der Liebe.

Adelheit war sehr glücklich, Sir Henry sehr stolz.

Ja, so war das Leben schön.

 

Nach einer gewissen Zeit

 legte Adelheit vier Eier ins Nest.

Nun hieß es brüten, damit die Kleinen es gut hatten.

Ein stetiges Kommen und Gehen begann.

Einer brütete, der andere holte Futter,

es war schon sehr anstrengend.

 

Tock, tock, tock.

„Adelheit, hast du das gehört?“

„Nun hör doch mal, Adelheit, hörst du denn nichts?“

„Henry, natürlich ich sitze doch drauf.“

„Männer, ungeduldig wie sonst was, tztz.“

Das erste Junge schlüpfte aus dem Ei.

 

„Meine Tochter, hast du gesehen, ist sie nicht wunderschön.

Adelheit, nun schau doch mal.“

Sie war mit den anderen Eiern beschäftigt

und schmunzelte über ihren Mann.

 

Im Laufe des Tages,

schlüpften noch weitere Mädchen aus ihrem Ei.

Sir Henry war ganz außer sich vor lauter Freude,

hüpfte hin und her.

Im letzten Jahr waren es alles Söhne, richtige Rabauken.

Diesesmal hoffte er, dass es mit den Mädchen leichter wurde.

 

Das wurde es natürlich nicht,

die vier Grazien hielten ihren Herrn Papa ganz schön auf Trab.

Wehe, es kamen ihnen Jungstörche in die Nähe,

er verscheuchte Alles und Jeden.

 

Als sie dann flügge wurden, war Sir Henry wehmütig,

seine Viererbande würde zwar mit nach Afrika ziehen,

aber nun waren sie groß.

Er klagte seiner Adelheit seine Gefühle, sie antwortete nur:

„Ach, Henry, lass es mal gut sein,

sie sind prächtig herangewachsen,

es hat uns viel Mühe und Arbeit gekostet.

 

Weißt du was, jetzt sind wir erstmal urlaubsreif.“

 

 

 

 

© by Alayna

 





Beltane

 

erstrahlendes Goldlicht
harmonieverheissende Klänge
betörend erklingende Harfen
verschleiernd schwängernde Düfte

Stille

heranschwebende Silberflügel
rosengeschmückter Frauenschoß
maskenbedeckte Gesichter
erwartungsvolle Menschen

Stille

verlorene Mannesmacht auserwählt
heilige Hallen betretend
vergossenes Blut einer Jungfrau
Momente der Glückseligkeit

Schrei

bei Nacht entstehendes Leben
im Priesterinnenschoß vollbracht
beschützend für die Zeit
im geweihten Mondlicht

Freude

erklingende Gesänge
tanzende Gestalten
schmelzende Welten
Hoffnung beginnt

 

© by Alayna

 


 

 


 

Norwick 

 

fließt plätschernd leise

der lauschige Bach

in einen tiefen Tümpel

wohnt auf dunklen Grunde

Norwick der kleine böse Troll

 

kommst du zu nah

dem Bösewicht

ist es um dich geschehen

zieht runter in die Tiefen dich

verwandelt dich zu Kieseln

 

nimm dich in acht

du Menschenkind

sonst wirst du ihm gehören

kehrst niemals mehr zurück

für alle Zeiten immerdar 

Island Heimat der Trolle

der unergründlichen Gewässer

Elfenland rauhard und windzerzaust

grüner Fels im Mythenland

 

 

 

 © by Alayna 

 

 

 

 

 

Beiling

 

 

wasserrauschende Gedanken
plätschern wie ein Strom
angespannter Körper
streckt seine Tentakel aus
zurückzucken vor Schlägen
die seine Macht bestimmt


abgestorbenes Geäst
ragt lose aus dem Herzen
langsam vertrocknet Leben
im hellen Sonnenlicht
was einmal gegeben
zerbarst verweht im Wind

 

 

 

 

 

 

 

© by Alayna

 


 


 

 

Garten der Sehnsüchte

 

 

ein Kuss von dir
ein Lächeln mit mir
eine Umarmung von dir
eine Seele mit mir

so weit von dir
so nah mit mir
so lieb von dir
so traurig mit mir

wo bist du

 

 

 

 

 

© by Alayna

 


 

 

 

 

 

Allein ...

 

Umschlingende Arme

wiegend im Wind

leise summend

flieht die Kälte

davon

 

 

einzige Wärme

gebend

dem eigenen Körper

in stiller

Einsamkeit

 

 

verzweifelte Schreie

einer verstummten

Seele

in verhallender

Dunkelheit

 

sterbend

leben

schwebend

auf den

Abgrund zu

 

 

vergehende Stunden

Momente des

Lichts in

Zweisamkeit

 

 

 

 

© by Alayna

 

 

 

 

 

 

Eis zu dünn

zerbrochen

über dem Tränenmeer

 

Gewässer zersprengt

versunkene Seelen

in blutende Gefühle

 

hilflose Sprache

verwendet

nebulöse Metaphern

 

geschmolzene Kruste

verliert

innere Einsamkeit

 

aufatmende Tränen

fließen

über blasses Antlitz

 

 

 

 

Vergangenheit

findet seinen

Weg

 

 

 

 

© by Alayna

 

 

 

 

 

 

Reigen  

 

singt die Meise im Baum

hoch über den Köpfen

mit heller Stimme

 

so kommt die Zeit

für den Maitanz

in hohem Geäst

 

unaufhörlicher Reigen

auf verlassende Wärme

sich wiegendem Schweigen

 

Brutzeit beginnt

ein Zwitschern

Fliegen Bauen Schauen

Familie bestimmt

 

 

by Alayna

 


 

Sturmvolle Raben      

 

kraak, kraak, kraak

picken hacken kreischen

machtvoller Nebel

breitet sich aus

 

geht, geht, geht

verdorbene Menschen

Schänder Zerstörer

Raben verwehren

das ewige Tor

 

kraak, kraak, kraak

Gevatter Tod

erlösender Frieden

den bösen

Kreaturen niemals

erlaubt

 

kraak, kraak, kraak

nehmt euch in acht

verlorene Seelen

sturmvolle Raben

bewachen

entschwindende Macht

 

by Alayna

 

 

 

 

 


 

Spiegel

 

Welch langen Schlaf habe ich hinter mir, verstaubt in einer Ecke auf dem Dachboden eines Herrenhauses. Ein bisschen blind, die Vergoldung abgewetzt, dennoch recht stattlich mit meinen Schnörkeln aus dem Barock.
Ich bin ein Familienerbstück aus dem Hause der Windsors. Einstmals der Stolz in der großen Wohnhalle. Nun bin ich in die Jahre gekommen, aber nicht vergessen, wie man sieht.
Welch wundervolle Aussicht. Der Park hat sich kaum verändert.
Ach, ein neuer Springbrunnen. Wie hübsch anzuschauen zwischen den Rosen. Der Rasen müsste auch mal wieder geschnitten werden. Das Personal ist auch nicht mehr das, was es mal war. Der neue Butler taugt wohl nichts. Schon, als sie mich hinunterbrachten, war mir Angst und Bange. Diese Tölpel hätten mich beinahe fallenlassen.
Das gab es zu früheren Zeiten nicht, da war das Personal geschult.
Niemals hätte so ein Grobian mich berühren dürfen.
Nun gut, ich hänge ja.
Die Aussicht ist sehr schön.
Oh, was ist das.
Sie existiert wirklich noch. Meine Anbetungswürdige, meine Geliebte, all die Jahre habe ich von dir geträumt. Nur der Gedanke an dich hat mich nicht ganz blind werden lassen.
Einmal noch in dein Antlitz schauen, dann sterben.
Das zarte Gesicht, Haare, die sich lose um deine Wangen schmeicheln. Ein Hals, fein gebogen, wie der eines Schwanes. Brüste wie kleine Äpfel im Morgentau, Hüften geschwungen mit Grazie. Beine so lang, geschwungene Waden und diese zierlichen Füße.
Der Anblick einer Göttin im Mondschein der Nacht.
Wie habe ich dich ersehnt, in meinen endlosen Tagen.
Nun hänge ich hier an der Wand, fasziniert über alle Maßen.
Dein edler Marmor hat nicht gelitten, als wären die Tage spurlos vorbeigegangen. Ohne Schaden steht dein Körper da, lächelt verliebt in den Mondschein.
Jetzt ist mein größter Wunsch erfühlt, nun kann mein Leben zu Ende gehen.

Was ist das für ein Krach, hat man denn nicht mal in der Nacht seine Ruhe?
„Johann, nehmen sie sofort dieses scheußliche Ding von der Wand.“
„Jawohl Mylady.“

„Bringen sie es in den Stall, ich kann diesen Anblick nicht mehr ertragen.“
„Jawohl, Mylady.“
Die meinen doch wohl nicht mich, nein ich bin nicht scheußlich, nur in die Jahre gekommen.
"Halt, halt, was machen die da mit mir? Nicht doch, ich bin ein Erbstück."
"Haben sie ihn Johann, nicht das mein Teppich noch ruiniert wird."

Noch ein Blick auf meine Venus aus Marmor. Sie lächelt mich an, jetzt bin ich ihr ganz nah.
So eine unbeschreibliche Freude, ich könnte zerbersten.

Klirr, schepper, schepper...
„Was war das Johann?“
 


 

 

 

©   by Alayna