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Marktwert des Menschen
Bedrohliche





Marktwert des Menschen

 

Ein schrecklicher Unfall zerstörte das Glück von Nicolas Meinser und seiner Frau Heidecke.

Dank des schnellen Eintreffens der Rettungskräfte, konnte der Nicolas gerade noch rechtzeitig aus den Trümmern seines Wagens herausgezogen werden. Er hatte innere Verletzungen und zahlreiche Knochenbrüche erlitten. Seine Frau aber, lag regungslos in den Gurten. Alle Anzeichen deuteten auf ein schweres Schädel-Hirn-Trauma hin. Eiligst wurden beide Verunglückten in die nächste Klinik gebracht.

 

Im Krankenhaus konnte man bei Heidecke nur noch den Hirntod festtellen. Ihr Körper wurde an einer Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, sie erhielt eine Magensonde und auch sonst wurde alles getan, was im Berech des medizinisch Möglichen lag. Doch die vernichtende Diagnose blieb bestehen. Frau Meinser war gestorben. – Klinisch tot, denn ihr Körper lebte ja noch. Er fühlte sich weich und warm an. Sie sah aus, als könne sie jeden Augenblick aufwachen.

 

Nicolas Behandlung verlief erfolgreich. Mehrere Operationen musste er über sich ergehen lassen, bis sein Gesundheitszustand einigermaßen hergestellt war. Dank seiner eisernen Kondition und eines unbeugsamen Willens, verkürzte er den Aufenthalt im Hospital um ein Vielfaches, was ihm seine Krankenkasse mit einer beachtenswerten Prämie vergütete. 

Als er noch am Bett gefesselt war, hatte er immer wieder nach Heidecke gefragt. Zu Beginn konnte man ihm noch die traurige Wahrheit verschweigen. Sobald es sein Gesundheitszustand erlauben würde wollte man ihm mitteilen, dass ihn seine Frau nie mehr besuchen könne.

 

Nicolas war schon fast genesen, als ein fremder Herr in sein Zimmer kam und sich als Professor Radloff, verantwortlicher Leiter der Klinik vorstellte. Mitfühlend sagte er zu seinem Patienten, er müsse jetzt sehr stark sein. In seiner Begleitung war eine Krankenschwester, die einen Rollstuhl vor sich her schob.

„Wir führen sie jetzt zu ihrer Frau, setzen sie sich bitte in diesen Stuhl.“

Nicolas protestierte. Er konnte auf eigenen Beinen stehen und benötigte dieses Hilfsmittel nicht, doch Profess. Radloff bestand darauf, dass die Vorschriften eingehalten wurden.

 

Nachdem Nicolas sich gefügt und Platz genommen hatte, eilte die kleine Gruppe zielstrebig den Gang entlang und nahm einen Aufzug für untere Etagen, der nur mit besonderem Schlüssel bedient werden konnte. Es mutete gespenstig an, wie sie wortlos in Bereiche eindrangen, deren Atmosphäre immer kühler und schmuckloser wurde. Sogar die Farbe der Wände änderte sich von warmen ockergelb, in ein frostiges türkisgrün. Kein Stuhl, keine Zeitschrift, die achtlos auf einen Besuchertisch liegen geblieben wäre und erst recht kein Bild an den Wänden, versöhnte das Auge, mit der unerbittlichen Strenge dieser Abteilung.

Grelles Neonlicht erleuchtete einen langen Gang mit vielen Zimmertüren.

„Hier bewahren sie Tote auf, welche zur Organentnahme vorgesehen sind“, verdächtigte Nicolas. Er fühlte, wie eine imaginäre Kälte seinen Rücken hinunterlief.

Vor einer der Türen hielten sie an und Prof. Radloffs Gehilfin schob Nicolas in den geöffneten Raum hinein. Dort lag sie, seine geliebte Heidecke.

Sie sah wunderschön aus, obwohl Plastikschläuche aus Arme und Nase ragten. Ein  Glücksgefühl der unendlichen Liebe, die über den Tod hinausging, überwältigte ihn. Auch wenn sie nicht mehr lebte, er würde dafür sorgen, dass ihr Körper unversehrt blieb und nicht ausgeschlachtet werden würde. Das glaubte er sich und ihrem Andenken schuldig zu sein. Zaghaft berührte er die Wagen seiner Frau, die so zerbrechlich und lebendig wirkten. Dann stand er vom Rollstuhl auf und gab ihr einen zärtlichen Abschiedskuss auf die Stirn.

 

„Herr Meinser, ich habe sie hierher geführt, damit sie die Gelegenheit haben von ihrer Frau endgültig Abschied zu nehmen“, zerschnitt des Professors Stimme die andächtige Ruhe des Raums. Nicolas sah ihn flehend an. Seine Augen baten um etwas mehr Zeit.

„Es tut mir leid, aber ich muss jetzt mit ihnen besprechen, was mit dem Leichnam geschehen soll. Lange kann er nicht mehr hier liegen bleiben, jeder Tag kostet Geld. Die Krankenkasse wartet schon ungeduldig darauf, dass sich ihre Investitionen in bare Münze auszahlen. Es wurde mir schon ein Ultimatum gestellt, wann ich eine definitive Antwort geben muss.“

„Ist es unbedingt notwendig, dass wir das ausgerechnet hier, im Beisein meiner Frau aushandeln?“, fragte Nicolas.

„Warum denn nicht? Sie kann uns doch nicht hören. Verstehen sie endlich. Das, was vor ihnen liegt, ist nur noch ein Stück Fleisch, dass mit technischen Mitteln am verwesen gehindert wird. Es hat nichts, absolut gar nichts mit einer Person zu tun“

„Wie kann man nur so kaltschnäuzig sein?“; mischte sich die Krankenschwester ein und überzog damit eindeutig ihre Kompetenzen. „Sehen sie nicht, wie sehr der arme Mann leidet?“

„Gut, gut, gehen wir in mein Arbeitszimmer zurück, da habe ich auch gleich alle nötigen Papiere parat.“, gab der Professor nach und dachte sich:

Scheiß Pietät, immer machen die Angehörigen Schwierigkeiten.“

 

Genau so zielstrebig und ebenso stumm wie zuvor, erreichten sie die oberen Stockwerke. Dort, wo sich um Lebende gekümmert wurde, Bilder an den Wänden hingen und warme Farben von dem sterilen Krankenhauswesen ablenkten.

Nicolas kam nicht in sein Zimmer zurück, sondern wurde gleich in das Büro des Klinikleiters geschoben.

 

„Egal, was sie mir vorschlagen werden, ich will nicht, dass sie meiner Frau Organe entnehmen,“ eröffnete er das Gespräch, sobald sich die Tür hinter seinem Rollstuhl schloss.

„Wie sie wünschen. In diesem Falle müssen sie nur hier unterschreiben.“ Professor Radloff zog ein anderes Dossier aus seinem Schreibtisch hervor. Mehrere Seiten, die aufs Engste beschrieben waren, lagen vor ihm.

„Was steht da drin?“

„Es ist eigentlich nur die Erlaubnis, dass wir ihre Frau frei geben können, ohne von dem Körper Nutzen zu ziehen. Die Krankenkasse verlangt diese Unterschrift. Sie wird sich mit ihnen wegen der angelaufenen Kosten in Verbindung setzten. Der Tod ist teuer, sehr teuer sogar. Aber wenn sie es sich leisten können auf alternative Wege der Finanzierung zu verzichten, dann ist das ihre Sache. Zu gegebener Zeit wird der Leichnam ihrer Frau ihnen zur Beerdigung überstellt werden.“

„Und ihr Körper bleibt wirklich intakt, keine Niere fehlt, keine Hornhaut wechselt das Auge?“

„Jetzt reicht‘s,“ schrie der Professor auf einmal. „Wollen sie mir etwa unterstellen, dass ich sie anlüge? Ich habe bereits genug Zeit mit ihnen vertan. Unterschreiben sie endlich und sehen sie zu, dass sie mein Krankenhaus möglichst schnell verlassen. Mit den Organen ihrer Frau, hätten wir drei bis vier Menschen zu einem normalen Leben verhelfen können, aber sie ziehen es ja vor, wenn dieses wertvolle Gut zu einem stinkenden Brei verfault. Dafür habe ich kein Verständnis! Machen sie, dass sie mir aus den Augen kommen – aber erst unterschreiben sie diese Dokumente hier, dann trennen sich unsere Wege!“

Eingeschüchtert durch den plötzlichen Wutausbruch unterschrieb Nicolas, ohne  genau durchgelesen zu haben, was auf diesen Zetteln stand.

 

Langsam ging er in sein Krankenzimmer zurück. Den Rollstuhl brauchte er nicht mehr.

Dort angekommen packte er seine Sachen und bat den Stationsarzt um die Entlassungspapiere. Während der ganzen Zeit

hatte er das mulmige Gefühl einen großen Fehler begangen zu haben.


Wo ist Heidecke?

 

Mehrere Tage war er schon zu Hause und immer noch wartete er auf eine Nachricht vom Krankenhaus, wann er den Körper seiner Frau abholen lassen könne. Inzwischen hatte er seine Arbeit in der Firma wieder aufgenommen und beauftragte deshalb ein Beerdigungsunternehmen, damit dieses sich in seinem Sinne um einen geregelten Ablauf kümmern konnte.

Weil er auch von diesem Unternehmen lange nichts hörte, rief er während seiner Arbeitszeit dort ungeduldig an.

„Es tut mir leid Herr Meinser, aber ihre Frau befand sich nicht mehr im Hospital, als wir sie abholen wollten. Der Auftrag wurde storniert. Aber es ist gut, dass sie anrufen, hier haben wir noch eine Rechnung offen, in der unsere Leistungen detailliert aufgeführt sind,“ hörte er die freundlich bestimmte Stimme einer Angestellten sagen.

„Was heißt hier storniert?“, schrie Nicolas in den Hörer hinein

„Es tut mir wirklich leid, aber ich kann doch auch nichts dafür.“

„Geben sie mir sofort ihren Chef!“

Kurz darauf hörte Nicolas die tiefe Stimme des Beerdigungsunternehmers.

„Herr Meinser, ich dachte sie wissen Bescheid.

Als wir in der Klinik ankamen und ihre Frau abholen wollten, da hielt uns ein gewisser Professor Radloff, die von ihnen genehmigte Überweisung in eine andere Einrichtung hin. Uns kam das auch komisch vor, aber was hätten wir tun sollen? Ihre Frau ist irgendwo. Am besten, sie setzen sich mit diesem Professor direkt in Verbindung. Er kann ihnen bestimmt mehr über den Verbleib des Leichnams sagen.

Was unsere Rechnung anbetrifft, da müssen wir von ihnen leider einige Gebühren verlangen, doch das hat noch Zeit. Klären sie erst einmal in Ruhe, wo der Körper ihrer Frau hinverlegt wurde.“

 

Nicolas konnte kaum glauben, was ihm soeben mitgeteilt worden war. Dieser Professor hatte ihn doch glatt reingelegt, als er noch unter den seelischen Qualen des Abschieds von Heidecke stand. Nur zu gut konnte er sich daran erinnern, wie sehr Radloff ihn zu einer Unterschrift drängte und nach deren Erhalt, fast aus dem Hospital hinauswarf.           

Vor Wut schäumend nahm er sich für den Rest des Tages frei, um diesen Herrn zur Rede zu stellen.

 

Im Krankenhaus ließ sich Prof. Radloff verleugnen. Sobald Nicolas ihn zu sprechen wünschte war er angeblich gerade inmitten einer wichtigen Operation, die noch mehrere Stunden lang dauern könne, oder man sagte ihm, er habe Minuten zuvor das Haus verlassen. Ein anderes Mal hatte er scheinbar die Klinik gar nicht betreten und keiner wusste, wo er sich aufhielt. Doch als seine Sekretärin sagte, Prof. Radloff befände sich im Urlaub auf Hawaii, vergaß Niclas seine gute Erziehung. Zornig rannte er aus dem Sprechzimmer und schrie so laut, dass man es noch in der oberen Etage hören konnte.

„Komm raus, du Feigling! Zeige dich und rede mit mir! Was hast Du mit meiner Frau gemacht, du Verbrecher! Lügner! Betrüger!“

Gerade wollte Nicolas das Wort Leichenschänder in den Gang hinausbrüllen, da stand der angebliche Urlauber vor ihm.

„Wenn sie sich nicht augenblicklich beruhigen, dann lasse ich die Polizei rufen,“ versuchte der Professor dem aufgeregten Nicolas zu drohen.

„Nur zu, rufen sie die Polizei! Denen können sie gleich erklären wohin sie die Toten bringen, wenn man ihnen untersagt hat Organe zu entnehmen! Ich bin sicher, das wird sie auch interessieren.“

Nicolas war immer noch außer Rand und Band. Wenigstens brüllte er nicht mehr und deshalb war Prof. Radloff auch bereit, mit ihm den ganzen Sachverhalt in seinem Arbeitszimmer zu klären. In diesem Raum hatten beide über Heideckes Verbleib gesprochen.

Kaum angekommen hielt der Professor ihm jenes Dossier hin, an das er sich gut erinnern konnte. Nur waren jetzt einige Stellen gelb hervorgehoben, in denen ganz eindeutig geschrieben stand, dass Nicolas mit einer Verlegung auf unbestimmte Zeit, mit unbestimmtem Ziel, einverstanden sei.

„Sie haben mich reingelegt,“ stammelte er niedergeschlagen, als ihm bewusst wurde, wie aussichtslos sein Vorhaben war, für Heidecke eine würdevolle Beerdigung in die Wege zu leiten.

„Was heißt hier reingelegt? Sie sind doch ein erwachsener Mann. Hat ihnen niemand beigebracht erst das Kleingedruckte zu lesen, bevor sie eine Unterschrift leisten? Wenn sie das bisher noch nicht gewusst haben, dann wissen sie es jetzt.“ Die hochnäsige Stimme des Professors unterstrich noch dessen Überlegenheit. Er hatte gewonnen. Herr Meinser würde ihm keine Schwierigkeiten mehr machen.

„Können sie mir vielleicht sagen, wohin man den Körper gebracht hat?“; bat Nicolas um Auskunft.

„Ach. Lesen können sie auch nicht? Na gut, dann lese ich ihnen eben ausnahmsweise mal vor. - Hier steht unbestimmt. Wissen sie was das bedeutet? Mit anderen Worten, ich weiß es auch nicht.“    

Aber sie könnten es doch leicht herausfinden, wollte er noch einwenden, doch ein unbeherrschtes „Raus!“, unterbrach ihn mitten im Satz.

 

Nicolas ging, doch so leicht wollte er sich nicht geschlagen geben. Hier war etwas faul. Oberfaul sogar. Was, das würde er schon noch herausbekommen, selbst wenn er sich in Gefahr begab. Ärzte können leicht einen Menschen verschwinden lassen, wie das Beispiel an Heidecke zeigte. Doch davon ließ er sich nicht abschrecken. Ohne seine geliebte Frau, hatte das Leben für ihn sowieso keinen Sinn. Umso mehr sah er es als seine Aufgabe an, ihren Leichnam aufzuspüren.   

 

Zum Schein ging Nicolas weiterhin seiner Arbeit nach, scherzte mit Kollegen und ließ sich nichts anmerken. Jeder, der mit ihm zu tun hatte glaubte, er wäre über den schmerzlichen Verlust hinweg gekommen. Aber in der Nacht, wenn Normalbürger schliefen und sich nur noch lichtscheues Gesindel auf den Straßen herumtrieb, stand ein hellgrauer Personenwagen in Sichtweite der Eingangstür des Hospitals, in dem Nicolas auf der Lauer lag.

Zwei Monate lang musste er warten, bis er eine interessante Beobachtung machte.    

Ein Krankenwagen war gegen Drei Uhr morgens, ohne Lichtsignal vorgefahren. Zwei Sanitäter stiegen aus, öffneten die hintere Tür und schoben eine Bahre in das Hauptgebäude hinein. Bald darauf kamen sie wieder zurück. Dieses Mal lag ein mit Tüchern bedeckter Körper auf der Bahre.     

Routiniert schoben die Männer ihre Last in den Wagen, verschlossen gewissenhaft das Heck, stiegen ins Führerhaus und fuhren im Eiltempo davon.

 

Der Einbruch

 

Endlich, dachte Nicolas, startete sein Auto und folgte im angemessenen Abstand. Als sie die Stadt verlassenen hatten und sich auf einer Landstraße befanden, schaltete der Krankenwagen das Blaulicht ein.

Komisch, dachte Nicolas. Wenn es stimmt, was ich vermute, wozu brauchen sie dann noch ein Warnsignal? Das macht doch keinen Sinn. Die Menschen, welche sie transportieren leben doch nicht mehr. Ihnen wird es nichts ausmachen, wenn sie fünf Minuten früher oder später das Ziel erreichen.

 

Nach fast fünfzig Kilometern erreichten sie ein merkwürdiges Anwesen. Es war von hohen Mauern umgeben und mit Stacheldraht gesichert. Die Sanitäter wiesen sich am Eingang der Anlage aus und verschwanden aus dem Blickfeld.

 

Froh, unbemerkt geblieben zu sein, machte Nicolas sich auf den Heimweg. Ein Triumphgefühl erfasste ihn. Endlich glaubte er zu wissen, wo man die Leichen hinbrachte. Sein nächtliches Wachbleiben hatte ein Ende. Als Nächstes wollte er die Arbeitsstelle kündigen. Es war sowieso schon unangenehm aufgefallen, dass er ständig übermüdet dort erschien.

Erleichtert legte er sich auf sein Bett und schlief tief ein.

Als er am nächsten Morgen in die Firma ging, wurde er schon von seinem Vorgesetzten ungeduldig erwartet. Dieser hatte sich eine lange Rede zurecht gelegt, in der er dem Angestellten unmissverständlich klar machen wollte, wie untragbar dessen Arbeitsleistungen geworden waren und dass es ihm sehr leid tat, sich von ihm trennen zu müssen.       

Doch Nicolas kam ihm zuvor. Drei kurzen Worte: „Ich kündige - fristlos“, nahmen dem überraschten Mann den Wind aus den Segeln. Sichtlich enttäuscht, die Strafpredigt nicht halten zu können, rang er sich ein gequältes Lächeln ab, reichte Nicolas die Hand und wünschte ihm alles Gute für seinen zukünftigen Lebensweg.

So leicht war ein Arbeitsverhältnis beendet, für das die meisten Bürger alles Mögliche tun würden, um es zu bekommen.

 

Frei!, - endlich frei, so begrüßte Nicolas den Abschied. Nun konnte er sich ausschließlich darum kümmern, was er als seine neue Lebensaufgabe ansah.

 

Dies war kein leichtes Ansinnen, denn an der Pforte des mysteriösen Anwesens verwehrte man ihm erwartungsgemäß den Eintritt. Alles bitten, erklären und sogar Drohungen halfen nicht, die Schranke blieb zu.

Es sah so aus, als hätte der Wächter den unangenehmen Gast erfolgreich abgewimmelt, doch weit gefehlt. Nicolas lies seinen Wagen eine kleine Strecke rückwärts rollen, gab dann Gas und durchbrach mit voller Wucht die Barriere. Kurz vor einem pompösen Glaseingang kam das Auto zu stehen. Nicolas stieg aus und rannte in das Gebäude. In der Zwischenzeit hatte der Pförtner telephonisch um Hilfe gerufen. Auf so einen aggressiven Akt war man nicht vorbereitet gewesen, denn die zwei schmächtigen Männlein, welche den Eindringling am Weiterkommen hindern wollten, schlug Nicolas mit zwei gezielten Faustschlägen nieder.      

Wie zuvor im Krankenhaus, brüllte er in der Halle aus Leibeskräften.

„Was ist hier los? Was habt ihr zu verbergen? Kommt raus und steht mir Rede und Antwort!“

„Nicht so laut, mit ihrer Stimme wecken sie ja Tote auf.“

Ein freundlich blickender Herr, mit graumeliertem Haar, trat dem Ruhestörer entgegen. Auf seiner Nase glänzte eine goldfarbene Nickelbrille. Trotz seines weißen Kittels sah man ihm an, dass er sehr wohlhabend sein müsse. Die ganze Art der Bewegungen, seine makellose Haut und die korrekte sitzende Kleidung, wiesen ihn als einflussreiche Person innerhalb des Anwesens aus.

„Was wäre so schlimm daran, wenn ich Tote aufwecken könnte? Oder würde ich ihnen damit das ganze Geschäft verderben?“, fragte Nicolas provozierend und schaute sich prüfend in alle Richtungen um. Im Inneren erstrahlte das ganze Gebäude im Luxus. Gespannte Seide ließen die Wände vornehm schimmern. Der feinpolierte Marmorfußboden passte genau so geschmackvoll zum Gesamtbild, wie die vergoldeten Türgriffe. Dies war kein Krankenhaus, auf keinem Fall! Hier verdienten sie richtig viel Geld. In diesem Institut wurde geklotzt und nicht gekleckert, nur mit welchen Einnahmen?

„Nein, nein, wo denken sie hin, es wäre allerdings ein Wunder, wenn sie einige unserer Patienten zum Leben erwecken könnten.“, erwiderte der fremde Herr

„Dann geben sie also zu, dass sie mit Menschen arbeiten, die nicht mehr lebendig sind. Diese als Patienten zu bezeichnen, finde ich reichlich makaber, das muss ich schon sagen.“

„Doch, doch, der Ausdruck ist durchaus richtig, aber das verstehen sie nicht. Dazu fehlt einfach das Wissen, was wir hier machen. Nur so viel kann ich ihnen sagen. Wir dienen wir dem Wohl der Allgemeinheit und das macht mich richtig stolz auf meine Arbeit. – Sie haben mir aber immer noch nicht gesagt, was sie zu uns führt?“

Während des Gespräches waren die außer Gefecht gesetzten Helfer aufgestanden. Ein einziger Blick des graumelierten Mannes genügte und sie zogen sich wortlos zurück.

„Erst muss ich wissen, mit wem ich es zu tun habe. Sie werden sicher Verständnis dafür haben.“

Mehr belustigt als verärgert führte der fremde Gesprächspartner Nicolas in ein geräumiges Arbeitszimmer.

„So, nun ist Schluss mit dem Wortgeplänkel“, begann er zu reden. “Wer sind sie und was wollen sie von uns. Vor allem, was sollte der Auftritt eben? Sie haben zwei meiner fähigsten Mitarbeiter zu Boden geschlagen. Nicht ich muss ihnen etwas erklären, nein, sie müssen mir sagen was sie dazu veranlasst hat hier einzubrechen.“

 

Das Wiedersehen

 

Beide unterhielten sich lange über die Umstände, welche dazu geführt hatten, dass sie sich in diesem Zimmer gegenübersaßen. Nicolas erzählte von seiner überwältigenden Liebe zu Heidecke, dem Unfall und dass er sich dafür verantwortlich fühle, seine Frau würdevoll zu beerdigen. Doch ihr Leichnam war verschwunden. Überwiesen in ein anderes Institut und man hielt vor ihm geheim, in welchem.

Nicolas war den Tränen nahe.

„Ist sie bei euch?“, fragte er mit zittriger Stimme.

Doktor Aros, so hieß der Gesprächspartner, schien erschüttert von diesem Bericht zu sein. Noch nie hatte er mit Angehörigen jener Menschen gesprochen, die ihm zu Forschungszwecken ausgehändigt wurden und noch nie hatte er Schicksalsschläge hinter ihrem Ableben vermutet. Er war Forscher und auf eine Möglichkeit gestoßen, die einen erheblichen Mangel in der Gesellschaft beheben konnte. Wenn er es mit Leuten zu tun hatte, die von seinem Projekt Nutzen zogen, dann vergossen sie in der Regel Freudentränen und keine aus Trauer.

„Kommen sie, ich bringe sie zu jenen Frauen, die mir anvertraut worden sind. Vielleicht ist ihre ja auch dabei.“

Sie gingen quer durch die pompöse Halle und erreichten einen Raum, in dem mehrere Betten standen. Alle waren ausschließlich von Frauen belegt worden. Die Patientinnen wurden künstlich beatmet und mit erheblichem Aufwand körperlich funktionstüchtig gehalten. Nicolas ging durch die Reihe. Die Gesichter der Frauen waren unverhüllt.

Dann entdeckte er Heidecke. Überglücklich sie gefunden zu haben dachte er endlich am Ziel angelangt zu sein. Doch irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Die Wangen fühlten sich immer noch warm und weich an. Sie sahen wachsbleich aus, und ihre Gesichtszüge machten einen entspannten Eindruck. Dennoch war etwas falsch, wenn er sie ansah.

Nicolas brauchte lange, bis sein Gehirn akzeptieren konnte, was die Augen ihm vermittelten. Heidecke war schwanger! Alle Frauen, die in diesem Raum lagen, waren in anderen Umständen. Mehr oder weniger deutlich zeichneten sich verräterische Rundungen von den jeweiligen Bettdecken ab.

Fragend sah Nicolas Dr. Aros an. Dieser legte beruhigend einen Arm um die Schultern des verwirrten Mannes. Fast liebevoll strich der Arzt mit seiner rechten Hand über die Wölbung von Heideckes Bauchdecke. Der Embryo war gesund und kräftig. Auch wenn er im Körper einer Leiche heranwuchs, so entwickelte sich das Kind doch zur vollen Zufriedenheit.

„Gehen wir in mein Arbeitszimmer, dort erkläre ich ihnen alles.“

 

„Es wird ihnen sicherlich nicht entgangen sein, dass unser Land unter einem enormen Geburtenrückgang leidet,“ begann Dr. Aros sein Plädoyer. Kaum eine Frau, die ihrem Stammbaum nach als Einheimische gilt, will noch Kinder bekommen. Wir leiden unter einer starken Entfremdung, die das Aufflammen des Nationalismus begünstigt. Deshalb ist es auch keine Lösung, wenn wohlhabende Paare ihren Mangel an Nachwuchs durch Adoptionen von Kindern aus dem Ausland beheben. Es müssen einheimische Babys her. Kinder mit der gleichen Mentalität, wie sie ihre Zieheltern haben. Noch besser ist es, wenn der Ehemann als Samenspender zur Verfügung steht. Dann besteht sogar ein echtes Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Kind und seinen Eltern. Auch wenn der zukünftige Vater nicht zeugungsfähig ist, werden hauptsächlich Babys gewünscht, die von Rasse und Natur aus den zukünftigen Eltern  ebenbürtig sind. Dafür lassen meine Auftraggeber schon mal Beträge springen, die ihnen den Atem nehmen würden. Für andere Kinder wird nicht viel gezahlt. Unserer Gesellschaft sieht sie als minderwertig an.“

Oh Gott, so etwas Ähnliches habe ich doch schon einmal gehört, nur von einem anderen Land ausgehend, dachte Nicolas entsetzt.

Dr. Aros bemerkte sein frösteln, stand auf und bot ihm einen Cognac an.

„Ich glaube, sie können jetzt einen guten Schluck vertragen“.

Dankbar nahm der Geschockte das Angebot an. Was er soeben gesehen und gehört hatte war so unglaublich, dass er gerne nach einem Glas Alkohol griff.

 

Die Stimme von Dr. Aros wurde langsam undeutlich. Nicolas hatte das Gefühl, als ob er sich immer weiter von ihm entfernte. Nebelschleier zogen vor seinen Augen auf. Er wollte aufstehen, doch seine Muskeln versagten ihren Dienst.

Dr. Aros lächelte.

„Es muss ihnen doch klar sein, dass ich sie mit diesem Wissen nicht wieder gehen lassen kann. In der Bevölkerung gäbe es einen Aufstand, wenn bekannt werden würde, was wir hier machen. Deshalb muss es unter allen Umständen geheim bleiben. Tut mir leid für sie, eigentlich finde ich sie ganz sympathisch, aber mir sind die Hände gebunden. Ich werde jetzt feststellen, welche Blutgruppe sie haben. So bald ich das weiß, kommen meine Assistenzärzte herein, setzen ihnen eine Stickstoffmaske auf und dann sehen wir mal, welche Organe von ihnen entnommen werden können.“

 

Das Letzte was in Nicolas Bewusstsein drang waren Telefonate, bei dem er hörten musste, wie Teile seines Körpers einigen Kliniken angeboten wurden.

 

 

 



Bedrohliche Beute

Sie leben mitten unter uns. Wenn wir ihnen begegnen, dann bemerken wir nicht Mal, dass sie anders sind, so gut haben sie sich getarnt. Huscht des Nachts ein Schatten an unserem Fenster vorbei, so ahnen wir nichts von dem Schrecken, den sie früher verbreiteten - Vampire.
Oh ja, es gibt sie immer noch.
Doch heutzutage lassen sie die Sterblichen in Ruhe und trinken nur in Ausnahmefällen das Blut von Verletzten, wenn ihr Biss unauffällig bleibt. Auch Vampire haben dazugelernt. Sie mussten es tun, zu groß waren die Verluste in den eigenen Reihen. Sich an neue Bedingungen anzupassen, dazu hatten sie ja reichlich Zeit. Mehr, als normalen Bürgern vergönnt ist.
Ehemals blutrünstige Horrorgestalten verwandelten sich in moderne Untote, die dank Internet, Handy und online-banking ihren Platz in der Gesellschaft erobern konnten. Einige wurden sehr reich dabei. Sie sind um keine Ausrede verlegen, wenn ihr Verhalten auf Unverständnis stößt. Besteht zum Beispiel ein Geschäftspartner darauf, sich mit ihnen am Tag zu verabreden, dann berufen sie sich auf eine Lichtallergie, die ihnen das Treffen unmöglich macht.
Das ist noch nicht Mal gelogen, denn die Grundvoraussetzungen ihrer Existenz haben sich nicht geändert.
Noch immer meiden sie Knoblauch. Sonnenlicht verbrennt ihren Körper und ihre ausschließliche Ernährung besteht weiterhin aus Blut. Nur das Kreuzzeichen lässt sie unbeeindruckt. Sie müssen es nicht mehr fürchten, weil kein Mensch mehr ernsthaft an die Macht des Kreuzes glaubt. Heute kann es nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein Vampir in der Kutte eines Mönches verbirgt. Wie gesagt, Tarnung ist die beste Vorraussetzung für eine lange, unbehelligte Existenz auf Erden.
Ihren Nahrungsbedarf decken sie mit Schweineblut, dass ihnen vom Schlachthof jeden Tag frisch geliefert wird. Um unangenehmen Fragen aus dem Wege zu gehen eröffnete einer der älteren Vampire ein pharmazeutisches Labor, dass offiziell aus dem gelieferten Blut Medikamente herstellt. Was wirklich mit dem Lebenssaft passiert interessiert niemanden.
Wozu auch? So lange die Rechung vom Schlachthof regelmäßig dank Überweisung beglichen wird und keine Umweltschäden befürchtet werden müssen, sind das Land, der Schlachthof und die Vampire zufrieden.
Vampire mögen es sehr, sich in Fledermäuse zu verwandeln. Im Flug durch die Lüfte beobachten sie ihre Umwelt ganz genau. Sehen, ohne gesehen zu werden, hören, ohne gehört zu werden verschafft ihnen Vorteile, die sie zu ihren Gunsten ausnutzen. Einige frühere Geschäftsleute wundern sich darüber, mit welch raffinierten Abhörmaßnamen ihre unlauteren Absichten aufgedeckt wurden. – Sie werden nie dahinter kommen wer sie ausspionierte, als sie in der Nacht mit der Geliebten von ihren geschäftlichen Plänen erzählten, nur um sich als überlegenen Hengst bewundern zu lassen.
Von den sperrigen und platzraubenden Särgen haben sie sich auch getrennt. Heute hängen sie, wie alle anderen Fledermäuse auch, in dunklen Gewölben oder Höhlen, in großen Gruppen dicht beieinander. Sie besitzen weite Landstriche und schmucke Häuser, wo sie es sich nachts gemütlich machen.
Werden sie von einem Sterblichen beim Schlafen entdeckt, dann ist das vollkommen ungefährlich.
Auf wessen Betreiben wurden wohl Fledermäuse unter Artenschutz gestellt?
Na, dämmert’s?
Jedes aufkommende Problem, haben die Vampire untereinander aufs Beste geregelt. Nur an einem mangelt es ihnen.
Schweinblut ist kein vollwertiger Ersatz für ihre naturgegebene Nahrung. Es stillt ihren Hunger, verhindert, dass sie kaltblütig gejagt und mit einem Holzpfeil durchbohrt werden und verschleiert ihre Existenz. Doch es schmeckt einfach zu fade. Menschenblut ist im Vergleich dazu viel appetitlicher. Sehnsüchtig schauen sich Vampire im Fernsehen die Berichte aus den Krisengebieten der Welt an und träumen davon, dass siebenunddreißig Grad warmes Blut in ihren Körper fließt. - Ein wahrhaft sinnlicher Genuss.
Afghanistan kommt ihnen vor, wie einst Moses das gelobte Land, wo Milch und Honig fließen, weil sie sich dort unauffällig satt trinken könnten. Verletzte Menschen, die im sterben liegen, gibt es dort jeden Tag reichlich.
In der Hoffnung auf das Glück ein Unfallopfer zu entdecken, bevor sich Sanitäter darum kümmern können, umkreisen Fledermäuse ihre Umgebung. Einige Tropfen nur, eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was von Polstern und Erde aufgesogen wird, damit müssen sich die Vampire zufrieden geben, um keinen Verdacht zu erregen.
Wie wichtig äußerste Disziplin beim Schlemmen für den Fortbestand ihrer Art sein kann, halten die Älteren, den jungen Heißspornen immer anhand von Daniels Schicksal vor Augen.
Dieser Jüngling wurde nur knapp hundertachtzig Jahre alt. Im Blutrausch missachtete er die Warnung, dass Menschen manchmal Gifte zu sich nehmen, die auch ihnen gefährlich werden können.
Es geschah in einer lauen Mittsommernacht, so gegen halb fünf, als Daniel den Unfallwagen entdeckte. Auf einer einsamen Landstraße hatte sich das Auto um den einzigen Baum gewickelt, der weit und breit zu sehen war. Freudig flog Daniel näher um sich zu vergewissern, ob er anbeißen könne.
Ein merkwürdig starker Geruch nach Alkohol schlug ihm entgegen. Überlagert wurde
er jedoch von dem appetitanregenden Duft warmen Blutes.
Daniel konnte nicht widerstehen. Erst nahm er, wie vorgeschrieben, nur ein paar Topfen zu sich, dann vergaß er alle Vorsicht und schlug sich den Bauch richtig voll. Das hätte er nicht tun sollen, denn der ungewöhnlich hohe Promillegrad im Blut des Opfers, zeigte nun auch bei Daniel Wirkung.
Leicht wie eine Feder, schlug er als durchgeknallte Fledermaus Purzelbäume in die Lüfte, bis er das Gleichgewicht verlor und mit seinen Flügeln an einer Hochspannungsleitung hängen blieb. In Menschengestalt versuchte er sich zu befreien und landete unsanft auf dem Boden. Daniel grinste nur darüber. So wohl, wie in diesem Augenblick, hatte er sich seit mehr als hundert Jahre nicht mehr gefühlt. Auch das Kribbeln des Stroms war ganz lustig gewesen. Albern ahmte er sein unkontrolliertes Zittern nach, dass ihn bei der Berührung des Kabels überfiel und hätte sich vor Lachen fast verschluckt.
Der Versuch aufzustehen schlug fehl, denn alles drehte sich um ihn. "Halt doch einer Mal den Boden fest", rief er in die Nacht hinein und amüsierte sich prächtig über sein Anliegen.
Durch den lauten Hilferuf aufmerksam geworden, flatterte Amalie zu ihm.
"He, Daniel, komm zu dir, wir müssen weg, die Sonne geht bald auf." Besorgt versuchte Amalie ihren Mitbewohner zur Besinnung zu bringen.
"Hallo Schwesterchen, willst auch Mal nen Schluck? Hab dir was übrig gelassen, der Kerl ist noch nicht leer."
"Aber die Sonne!"
"Weißt du was, ich Scheiß dir auf die Sonne! Dort im Auto, da liegt das wirkliche Leben. Gut, der Mann ist jetzt tot, aber amüsiert hat er sich jedenfalls bis zu seinem letzten Atemzug."
Daniels Stimmung schlug plötzlich um und er fing an über seine Existenz und die der Sterblichen zu philosophieren.
Die Zeit drängte. Wenn Daniel jetzt nicht mitkommt, dann würde dies sein letzter Blutstropfen sein, den er getrunken hatte.
Kaum war Amalie davon geflattert, fiel Daniel in einen ohnmachtähnlichen Schlaf. Die zerstörenden Strahlen der aufgehenden Sonne hatte er gar nicht mitbekommen.
Daniel verstieß gegen ein eisernes Gesetz, als er mehr von der Leckerei genoss, als in der modernen Vampirgesellschaft erlaubt ist. Das Geheimnis ihrer Existenz musste unbedingt bewahrt werden und wenn ein verletzter Mensch auffallend wenig Blut verliert, dann könnte es entdeckt werden.
Dies war unverzeihlich! Vermutlich wäre er aus seiner Gruppe ausgestoßen worden.
Dennoch machte der Bericht von Daniels vorzeitigem Ende die Jüngsten unter ihnen zutiefst betroffen. Sie wussten, dass ihnen jeder Zeit das Gleiche passieren konnte. Immer häufiger treffen sie auf unfreiwillige Blutspender, die völlig zugekifft sind. Die Folgen von übermäßigem Genuss des vergifteten Blutes, waren auch für sie bedrohlich.
Früher bedrohten die Untoten das Leben der Sterblichen, heute hat sich das Blatt gewendet. Die ehemalige Beute wird zu einem unkalkulierbaren Risiko für
Blutsauger. Dennoch möchte keiner den Krieg zwischen ihnen erneut entfachen. So kaltblütig sind nicht einmal Vampire.