Inhalt:


Computer Unser

Erscheinung auf dem Monitor

Sprachverwirrungen


                              


Computer Unser

 

Opas PC passte zu ihm. Beide hatten die besten Zeiten längst hinter sich gelassen. Obwohl noch rüstig, plagten ihn manche Schmerzen, die langsam schlimmer wurden. „Da hilft nur noch beten“ meinte der Arzt, weil er gegen altersbedingte Abnutzungserscheinungen auch nicht helfen konnte.

Eines Tages entdeckte ihn seine Frau, wie er am Schreibtisch saß und in sich gekehrt vor sich hin murmelte:   

 

 

„COMPUTER UNSER

der Du stehst auf meinem Schreibtisch.

Gewürdigt werde Dein Wissen.

Dein Wille geschehe

wie im Speicher, so auch

auf dem Monitor.

Unsere täglichen Dateien gib uns heute

und vergib uns unverständliche Eingaben,

wie auch wir vergeben denen

die Dich fehlerhaft programmiert haben.

Lass uns nicht zu lange warten

und bewahre uns vor dem wiederkehrenden Error.

Denn Dein ist das Internet, Flatrate und Windows 98,

in Ewigkeit.“                                          

 

                    


Erscheinung auf dem Monitor

 

Nun schreib endlich weiter, sonst sterbe ich noch vor Langeweile.

Na, endlich wach?

Mach schon, auf was wartest Du noch?

Ich bin’s, Dein Protagonist. Wen hast Du denn erwartet.

Erst rufst Du mich ins Leben und dann lässt Du mich in der hintersten Ecke Deines Computers versauern.

Das ist nicht fair, denn ich bin auf Dich angewiesen.

Lies den ganzen Text noch mal durch, ich helfe Dir auf schon die Sprünge.

Papperlapapp Schreibblockade. Das ist nur eine dumme Ausrede, ich glaube Dir kein Wort davon.

He, ich will endlich was erleben. Du weist schon: Show don’t tell, Quasselstrippe.

Wie wär’s mit ein bisschen Sex? Sex sell’s. Willst doch das Manuskript verkaufen – oder? Wenn Du schon keine Lust hast, dann könnte ich doch wenigstens…

 

Entschuldigung, war wohl etwas zu tief unter der Gürtellinie geraden.

 

Ich hab mich doch entschuldigt. Reicht das denn nicht?

 

Schon gut du hast tollen Sex. Bist im Bett eine richtige Granate. Es tut mir leid, das je angezweifelt zu haben.

Aber lass mich doch auch mal ran.

Porno, Porno, Du musst es ja nicht gleich übertreiben. So was zu schreiben liegt Dir sowieso nicht.

Stimmt, ich traue es Dir nicht zu.

Mir reicht die Missionarsstellung schon aus. Aber dann so richtig mit Schmackes, Herzleid und ganz viel Schmalz gewürzt. Das bekommst Du schon hin. Bist nicht umsonst die beste Autorin, die ich kenne.

 

He, was hast Du vor? Lass die Finger von der Tastatur weg, oder Du wirst es bereuen!

NICHT LÖSCHEN!!! Hilfe, gemeiner Mord! Schei…




                               



Sprachverwirrungen

Kennen Sie das Land, in dem alle Hunde Lassie heißen?
Selbstverständlich kennen Sie es, nur ist den wenigsten Touristen aufgefallen, dass die dortige Bevölkerung ihre frei laufende Haustiere Befehle erteilen, die in deutschen Ohren eindeutig als Lassie wahrgenommen werden. Ob Rehpinscher, Berner Sennenhund, Teckel oder Collie, immer trabt eine andere Gattung von Lassies an, sollte der Ruf ertönen.
Ich spreche von Frankreich. Einem Land in das ich auswanderte, ohne vorher die geringsten Sprachkenntnisse zu haben.
Das war nicht meine Schuld, denn in der Realschule, die ich besuchte, nahm ich freiwillig an dem Wahlfach Französisch teil. Pech war nur, dass mein damaliger Lehrer auch kein Französisch konnte. Jedenfalls nicht besonders gut. Mit Hilfe von Schallplatten versuchte er uns eine korrekte Aussprache beizubringen. Meine Güte, welche Hightech. Walter und Conny, die samstags im Fernsehen Englisch unterrichteten, lassen grüßen.

Endgültig die Nase voll hatte ich, als das einfache Wort „was“ durchgenommen wurde. Qu’est ce que ce soll das heißen.
Wie bitte? Ja bin ich denn plemplem? Wegen dieser Scheißsprache versaue ich mir doch nicht mein ganzes Zeugnis! Nichts konnte mich mehr dazu bewegen ein weiteres Jahr an diesem Wahlfach teilzunehmen. Auch mein Lehrer nicht, der mich wegen meiner angeblich guten Aussprache zur weitern Stunden überreden wollte. Hätte er „was“, mit dem ebenfalls leicht zu merkendem Wort „quoi“ übersetzt, dann wäre ich bestimmt geblieben.
„Hä“ übersetze ich ja auch nicht bei lernwilligen Franzosen mit: „Wie bitte, ich habe Sie nicht richtig verstanden, könnten Sie den letzten Satz noch einmal wiederholen?“
Aber, wie gesagt, der arme Lehrer konnte kein richtiges Französisch und musste als Lückenbüßer herhalten.

Trotz innerer Abneigung, verschlug mich das Schicksal dann doch noch nach Frankreich. Wenigstens im Elsass fand ich eine neue Heimat, das machte es leichter. Die Landbevölkerung spricht immer noch lieber ihren deutschen Dialekt, als Französisch. Aber nur, wenn kein Fremder anwesend ist.
Ziemlich merkwürdige Zusammensetzungen aus beiden Sprachen haben sich bereits ergeben. Wenn eine Dame im Supermarkt drei tranchen Knochenjambon bestellt, dann spricht sie meiner Meinung nach in Rätseln. Ich war neugierig, was das sein sollte. Sie erhielt drei Scheiben Schwarzwälder Schinken. Das war eines meiner Aha – Erlebnisse, die ich nie vergessen werde.

Ich lebte mich ein und stieß auf viele lustig Missverständnisse.
Auf dem Weg zur Schule, wo ich meinen damals sechsjährigen Sohn abholte, traf ich einen Nachbarn. Unverblümt, ja sogar erfreut teilte er mir mit, dass auf der anderen Straßenseite seine ehemalige Maitresse gehen würde.
Vor so viel Offenheit habe ich Hochachtung, muss aber blöd durch die Wäsche geguckt haben, was er wiederum nicht verstand. Maitresse ist nämlich die offizielle Bezeichnung für eine Kindergärtnerin.

Mit breitem grinsen denke ich an meine Schwiegermutter, die stolz auf ihr sündhaft teures Kleid aus echtem Chiffon war.
Putzlappen aller Art und Größe werden im Französischen Chiffon genannt.

Auch das Wort ordinär, hat in beiden Ländern eine ganz unterschiedliche Bedeutung. Die Deutsche muss ich nicht erklären, in Frankreich sagt man ordinaire, wenn etwas gewöhnlich im Sinne von unspektakulär ist.
Was versteht man in Deutschland unter extraordinaire? Das muss ja etwas ganz Übles sein. Ganz im Gegenteil. Sagt ein Franzose dies, dann macht er sogar ein Kompliment.
Außergewöhnlich im positiven Sinn meint der Sprecher mit Bewunderung und versteht nicht, warum ihn sein Gegenüber grimmig anschaut.

Beide Sprachen kommen mir vor, wie Hund und Katz. Mit Hand und Füßen glaubt man sich zu verstehen, doch das täuscht.
Übrigens. L’ici, gesprochen lässi, heißt nur: Komm her!