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Es geschah im September
Eine Familienangelegenheit




Es geschah im September

Ein starkes Gewitter kündigte anfangs September das Ende der unerbittlichen Hitze an, unter der im Augusts alle gelitten hatten. Die Sonne stand zwar immer noch hoch am Himmel, jedoch brannte sie nicht mehr so stark. Pflanzen, Tiere und Menschen lebten auf, als die ersten Regentropfen fielen. Bäume trugen schwer an ihrer Last von reifen Früchten und in den Gärten konnte allerlei Gemüse geerntet werden. Der September war für viele die schönste Zeit des Jahres. Mit 28°C zur Mittagszeit, füllten sich die Freibäder und in den immer noch warmen Nächten, vergnügten sich die Leute im Freien. Katrin feierte am sechsten September ihren vierundzwanzigsten Geburtstag. Ihr Vater, der sehr stolz auf seine hübsche Tochter war, beauftragte einen Partyservice, um diesen Anlass gebührend zu feiern. Den ganzen Tag über ließ sich kein Wölkchen am Himmel blicken, was eine sternenklare Nacht versprach. Deshalb wurde das Buffet im Garten des schmucken Elternhauses errichtet. Auch Musikanten waren engagiert worden.

Die Mutter zog ihren Mann beiseite, um ihn ungestört fragen zu können, ob nicht zu viel des Aufwands betrieben hätte. Dieser wehrte dieser mit den Worten ab: "Man ist nur einmal jung. Was soll’s? Wenn wir zeigen, welch gute Partie unsere Tochter ist, dann wird sich die Investition auch auszahlen."
"Jetzt hör aber auf Katrin als Investition anzusehen. Das grenzt ja beinahe schon an Menschenhandel!", empörte sich Frau Ralsheim.
"Ja was glaubst du denn, aus welchem Grund wir in die bessere Gesellschaft aufgenommen wurden?", verteidigte er sich bei seiner Gattin. "Alles ist Investition. Das Haus, dass in einer sehr teuren Gegend steht, die Firma, Katrin, ihr Studium und auch wen unsere Tochter später einmal heiraten wird, gehört dazu.
Keiner verkehrt mit uns, weil wir so schöne blaue Augen haben. Nur; wenn es sich auf die eine oder andere Weise finanziell lohnt, werden wir akzeptiert. Das ganze Leben ist nichts weiter, als ein großes Geschäft. Dessen Motto lautet: Was kannst Du mir bieten, das ich haben möchte und welchen Preis verlangst Du dafür?
Wir können es uns leisten mitzuhalten. Das kann und soll ruhig jeder wissen."
Gerlinde Ralsheim war ganz anderer Meinung. Doch in angebracht dessen, dass die Gäste von ihr einen fröhlichen Eindruck erwarteten, schwieg sie in vornehmer Zurückhaltung und ließ es nicht zu einem Streitgespräch kommen.
Die Feier wurde ein voller Erfolg. Kurz bevor sie die Party verließen, bedankten sich viele Anwesenden für den wunderschönen Abend. Zufrieden und auch ein wenig erschöpft, wollten Katrins Eltern zu Bett gehen.
"Ich räume nur noch ein bisschen auf", ließ das Geburtstagskind wissen.
"Muss das denn unbedingt jetzt noch sein? Lass doch einfach alles liegen. Darum kann sich Agnes kümmern. Wozu haben wir eine Hausangestellte?"
"Aber ich möchte es tun. Die Ruhe im Garten ist so schön, ich will einfach noch ein bisschen draußen bleiben. Gute Nacht noch, bis morgen."
Nach dem Erwachen dauerte es eine Weile, bis es den Eltern auffiel, dass Katrin nicht zu Hause war. Ihr Bett hatte sie in dieser Nacht nicht berührt. Beunruhigt rief die Mutter alle Bekannte und Verwandte an um nachzufragen, ob Katrin bei ihnen sei. Doch keiner konnte ihr eine beruhigende Auskunft geben. Als alle Bemühungen vergeblich blieben, informierten Herr und Frau Ralsheim die Polizei.
"Das hast du jetzt davon, jedermann zeigen zu müssen, wie wohlhabend wir sind. So etwas fordert eine Entführung geradezu heraus!"
"Sei still jetzt. Meinst du, ich habe das gewollt?"
"Gewollt nicht, aber provoziert."
Den Streit schlichtete ein Polizeibeamter. Er machte beiden klar, dass niemand schuld an einem Verbrechen sei, als der Kriminelle selbst. Doch in ihrem Falle wollte er nicht gleich von einer Entführung sprechen. So lange keine Lösegeldforderung eingegangen sei, bestand immer noch eine berechtigte Hoffnung, dass die junge Dame sich von ganz alleine melden würde.
Katrins Eltern fühlten sich nicht ernst genommen. Sie schimpften auf den Polizeiapparat im allgemeinen und dessen Trägheit. Immerhin erreichten sie, dass wenigstens eine Vermisstenmeldung aufgenommen wurde.
"Das hilft uns auch nicht weiter", klagte Frau Ralsheim. "Die tun ja nichts. Bei denen muss man erst mit abgeschlagenem Kopf unterm Arm tragend ins Revier hineinspazieren, bis die sich bewegen"
Doch Gerlinde hatte unrecht.
Die Polizisten griffen nur auf ihre langjährige Erfahrung zurück. 48 Stunden, nachdem Katrin das letzte Mal gesehen wurde, fingen sie an in der Nachbarschaft herumzufragen. Dabei fiel ihnen auf, dass ein junger Mann auf ihre Fragen äußerst ungewöhnliche Angaben machte.
Selbstverständlich kenne er seine Nachbarin. In Kürze werden sie heiraten. Nichts und niemand könne ihn daran hindern, antwortete er selbstbewusst. Dass die junge Dame vermisst wurde, darauf war er gar nicht eingegangen.
Von einer geplanten Hochzeit hatten Katrins Eltern jedoch nichts erwähnt. Um sicher zu gehen, fragte der zuständige Kriminalbeamte lieber noch Mal bei Familie Ralsheim nach.
"Ach das kann nur Bernhardt Striegel sein, der sich dummer Weise immer noch Hoffnungen macht, dass unser Kind irgendwann seine Frau wird. Beide kennen sich schon von klein auf. Damals hatten sie öfters Hochzeit gespielt. Katrin wickelte einen Gardinenrest um ihren Kopf und Bernhard lieh sich den alten Zylinder von seinem Opa. Beide zusammen sahen zu drollig aus. Warten Sie, ich habe noch ein Foto, davon."
Lächelnd zeigte Gerlinde das Bild. Erst als sie die ernste Miene des Kommissars sah, wurde ihr mulmig zumute.
"Nein, das können Sie nicht im Ernst vermuten. Bernhardt würde Katrin niemals etwas antun. Sie sind doch die besten Freunde. Damals waren es Kindereien, nichts weiter. Jetzt sieht die Welt ganz anders aus, und beide sind erwachsen geworden. Also, wenn Sie mich fragen, für diesen netten jungen Mann lege ich jeder Zeit meine Hand ins Feuer."
Das alte Foto und die merkwürdige Aussage des Befragten reichten aus, um einen Durchsuchungsbeschluss für Herrn Striegels Haus zu bekommen. Die Polizisten mussten nicht lange suchen. Der Verdächtigte führte die Beamten widerspruchslos zu dem Raum, in dem er die junge Frau gefangen hielt.
"Sie kommen zu früh," warf er den Männern vor. "Noch ein paar Tage, und ich hätte Katrin überzeugt, dass sie nur mit mir glücklich werden kann. Ihr Vater war immer gegen uns gewesen. Für seine Tochter konnte niemand gut genug sein und ich schon gar nicht. Katrin hat er auch mit seinen hochgestochenen Plänen infiziert. Was hätte ich tun sollen? Mir blieb doch gar nichts anderes übrig, als sie zu entführen. Sehen Sie nur, ein Brautkleid habe ich auch besorgt. Ist es nicht wunderschön? Doch nun haben Sie alles kaputt gemacht!"
Traurig ließ Bernhardt Striegel sich abführen. Seiner Meinung nach hatte er kein Verbrechen begangen, sondern nur aus Liebe gehandelt. Er glaubte fest daran, dass er den Richter davon überzeugen konnte.
Katrin war entsetzt darüber, wie sehr sich ihr Jugendfreund verändert hatte. Alles Zureden half nichts, er ließ sich nicht von seinem gefassten Plan abbringen und sah es als sein Recht an, das, als Kind gegebene Versprechen, einzufordern.
Während ihrer Gefangenschaft, hatte sie viel Zeit zum nachdenken gehabt. Dabei ist ihr einiges klar geworden und das machte sie wütend. Zum ersten Mal in ihrem Leben stellte sie ihren Vater zur Rede.
"Was glaubst du eigentlich, in welchem Jahrhundert wir leben? Ich verbiete dir ein für allemal, dich in meine Zukunft einzumischen."; fuhr sie den verdutzten Geschäftsmann an. "Noch habe ich nicht vor zu heiraten und wenn es soweit ist, dann wähle ich meinen Partner selber aus. Auf keinem Fall werden finanzielle Gesichtspunkte für mich ausschlaggebend sein, sondern einzig und allein mein Herz. Akzeptiere das, oder ich verlasse auf der Stelle das Haus.
Bernhardt ist psychisch krank. Ihm kann ich keine Vorwürfe machen aber du, du sollst wissen, dass ich dir nicht gehöre, wie ein Gegenstand, den du verschachern kannst sondern ein freier Mensch bin."
Solch flammende Worte war Hubert Ralsheim nicht gewohnt. Er liebte sein Mädchen und hatte es doch nur gut gemeint. Katrins Ausbruch nahm er widerspruchslos zur Kenntnis. Denn, wenn er es richtig bedachte, dann hätte er sich von seinem Vater auch nicht vorschreiben lassen, wen er heiratet. Katrin war halt ganz und gar nach ihm geraten und das machte ihn sehr stolz auf seine Tochter.



Eine Familienangelegenheit

Ungeduldig stand Marianne vor der Kasse und wartete darauf, dass sie endlich den Saal betreten konnte, wo der Maskenball stattfand. Schon viel zu lange hatte sie auf jedes Tanzvergnügen verzichtet. Seit zwei Jahren war sie Witwe, doch das Leben ging weiter.
Eduard, ihr verstorbener Mann, war ein hervorragender Tänzer gewesen. Wie eine Feder hatte sich Marianne leichtfüßig seiner Führung anvertraut, so dass es aussah, als würden sie beide schweben.
In vollen Zügen genoss er die neidvollen Blicke, die auf ihn und seine schöne Frau gerichtet waren. Sie hatten kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um sich auf diese Art zu vergnügen.
Es war ein Maskenball wie dieser gewesen, als Eduard seine zukünftige Frau zum ersten Mal gesehen hatte. Marianne war als Zigeunerin verkleidet gewesen und zog alle Aufmerksamkeiten auf sich, wenn sie voller Leidenschaft und unbändiger Lebenslust sich dem Rhythmus, der Musik hingab. Jung, aufregend und stolz war sie von Verehrern umgeben gewesen. Doch kein Bewerber konnte bei ihr näheres Interesse erwecken.
Diese scheinbare Unnahbarkeit lies sie von sich abfallen, als Eduard sie zum Tanz aufgefordert. Er war sich als Mönch verkleidet gewesen und faszinierte Marianne mit seiner ruhigen, bestimmenden Ausstrahlung. Neugierig auf diesen Mann geworden, wollte sie ihn unbedingt näher kennen lernen.
Diese Faszination ließ auch nicht nach, nachdem Eduard Marianne zum Standesamt führen konnte.
Fast 30 Jahre älter als sie, hätte er ihr Vater sein können. Trotz des enormen Altersunterschiedes liebte sie ihren Gatten innig und unbeirrbar. Rein äußerlich passte sein Sohn Benni viel besser zu der jungen Frau, doch Marianne konnte Ihren Stiefsohn nicht ausstehen.
Oft genug musste sie erleben, dass Benni mit unfairen Methoden versuchte, sie bei ihrem Mann zu verleumden. Kalt berechnend hätte er es gerne gesehen, wenn sein Vater sich scheiden lassen würde. Dann wäre er wieder Alleinerbe, des erheblichen Vermögens seines Vaters gewesen.
Ohne es zu beabsichtigen, war Marianne für Benni zur Konkurrentin geworden und das ließ er sie zu jeder Gelegenheit spüren.
"2,30 Euro". Die Stimme der Kassiererin führte sie wieder in die Gegenwart zurück. Freundlich lächelnd bezahlte sie den geforderten Betrag und ging in den Ballsaal hinein. Dort vergaß sie alle privaten Probleme und ließ sich in eine Welt der Masken und Kostüme entführen.
Marianne hatte sich als bezaubernde Jeannie verkleidet. Mit ihrer Pluderhose, den geheimnisvoll verdeckenden Schleiern und ihren hochgesteckten, goldblonden Haaren, machte sie den Eindruck, als sei sie einem Märchenbuch entsprungen.
Der Abend verlief ganz so, wie es sich Marianne gewünscht hatte. Sie traf einige frühere Bekannte und Freunde, mit denen sie heitere Stunden verbrachte. – Bis die Musik für eine wichtige Durchsage unterbrochen wurde.
"Marianne Herzog wird dringend gebeten, sich am Ausgang einzufinden. Frau Herzog, bitte melden sie sich umgehend im Kassenbereich".
"Nanu, hast du etwa mit Falschgeld bezahlt?" fragte ein Bekannter, der neugierig gewordenen war und Marianne zum Ausgang begleiten wollte.
"Lass nur, ich finde den Ausgang schon ganz alleine", lehnte sie dessen Angebot ab. Als sie aufstand und ging, hörte sie hinter ihrem Rücken das laute Lachen der ganzen Gruppe. Etwas angetrunken, in bester Stimmung und sehr albern, kamen sie auf die verrücktesten Ideen, warum ihre Tischnachbarin ausgerufen wurde.
An der Kasse, kurz vor dem Eingang, stand ein etwa 40 Jahre alter, seriös aussehender Herr.
"Frau Herzog?" sprach er sie an.
Marianne bejahte die Frage, worauf sich der Mann als Kriminalkommissar Hendrich vorstellte.
"Ich bedaure, ihnen mitteilen zu müssen, dass in ihrem Haus wahrscheinlich eingebrochen wurde. Eine aufmerksame Nachbarin, Frau Roth, sah, wie sie mit ihrem Wagen das Haus verließen. Kurz danach brannte in ihrem Wohnzimmer Licht, ohne dass sie zurückgekommen waren. Ihre Nachbarin rief bei ihnen an. Darauf hin erlosch das Licht und Frau Roth sah gerade noch, wie eine dunkle Gestalt hastig aus dem Haus rannte und die Eingangstür weit offen stehen ließ. Sicherheitshalber informierte sie die Polizei. Frau Roth war es auch, die uns mitteilte, wo sie anzutreffen sind.
Darf ich sie bitten mit mir zu ihrem Haus zu fahren, um festzustellen, ob etwas entwendet wurde?"
"Nein danke", lehnte Marianne ab, "ich fahre lieber mit meinem eigenen Auto, es steht gleich da vorne."
Als Marianne vor dem Haus ankam, sah sie einen Streifenwagen nahe der Einfahrt stehen und wie zwei Polizisten in Uniform geschäftig um ihr Haus herum gingen.
Sie fuhr ihr Auto in die Garage, und stellte sich danach dem Kommissar zur Verfügung.
Ein kurzer Rundgang durch alle Räume genügte, um sicher zu stellen, dass nichts fehlte, außer einem Schmuckkästchen, dass sie an diesem Abend in den Tresor gelegt hatte.
Kommissar Hendrich wunderte sich sehr über die gelassene Ruhe, welche Frau Herzog ausstrahlte. Er bekam den Eindruck, dass sie sich sogar noch darüber freute, bestohlen worden zu sein. Dies war um so unverständlicher, als sie den Wert des normalerweise im Schmuckkästchen befindlichen Geschmeides mit 25.000,- Euro angab.
Nach einer kurzen Unterredung unter vier Augen war ihm die Reaktion von Frau Herzog klar.
Zuversichtlich, den Dieb bald überführen zu können, fuhr er ins Präsidium zurück. Dort informierte er alle Juweliere und Pfandhäuser, die in seinem Einzugsbereich lagen. Gleichzeitig teilte er den entsprechenden Geschäften mit, woran sie zweifelsfrei erkennen konnten, dass die angebotenen Schmuckstücke, aus diesem Raub stammen mussten.
Es dauerte keine Woche, da wurde Kommissar Hendrich zu einem bekannten Juwelier gerufen, der sein Geschäft in bester Lage der Innenstadt hatte.
Als er den Laden betrat, wurde er von der Verkäuferin gebeten, in den hinteren Raum zu gehen und möglichst jedes Aufsehen zu vermeiden.
Der Kommissar öffnete die Tür und betrat einen elegant eingerichteten Raum, in dem normaler Weise wohlhabendere Kunden bedient wurden. Auf einem weit ausladenden Tisch lagen mehrere Schmuckstücke. Dahinter stand ein Juwelier, der mit einer Lupe im Auge vorgab, die angebotene Ware zu begutachten. Vor diesem Tisch stand Benni Herzog. Ärgerlich drehte er sich zur Tür um, damit er sehen konnte, wer ihn bei seiner wichtigen Verhandlung störte
Der Kommissar zog seine Handschellen aus der Tasche und verhaftete den überraschten jungen Mann, wegen Einbruchs und Diebstahl.
Das muss ein schrecklicher Irrtum sein! Wo, um alles in der Welt, wurde eingebrochen und welchen Diebstahl legte man ihm zur Last? Panik ergriff ihn.
Benni versicherte seine Unschuld und bestand darauf, dass der Schmuck, welcher auf dem Tisch ausgebreitet lag, Erbestücke seiner verstorbenen Mutter seien.
"Das klären wir alles auf dem Präsidium", beharrte der Kommissar. Dort werden wir auch gleich eine Überstellung vornehmen können.
Widerwillig musste Benni dem Kommissar folgen.
"Dafür werden sie ihre Konsequenzen ziehen müssen. Als unbescholtener Bürger wie ein Verbrecher behandelt zu werden, lasse ich mir nicht gefallen. Ich kenne Mittel und Wege, sie des Amtes entheben zu lassen, sie werden es noch bereuen, mich überhaupt kennengelernt zu haben!"
Während der ganzen Fahrt zum Präsidium, musste der Kommissar sich wüste Beschimpfungen und Drohungen anhören.
Dort angekommen, führte man Benni in ein Zimmer, wo er auf die Person warten musste, der er gegenübergestellt werden sollte.
Es dauerte nicht lange, bis Marianne den Raum betrat.
"Dir habe ich also diese Festnahme zu verdanken, du Hexe!" schrie Benni sogleich, als er seine Stiefmutter sah. "Aber damit wirst du nicht durchkommen! Den Einbruch kannst du vergessen, es ist immer noch mein Elternhaus, in dem du wohnst. Und den Schmuck habe ich von meiner Mutter geerbt. – Beweise mir das Gegenteil, wenn du kannst!" In seiner Aufregung merkte Benni gar nicht, wie sehr er sich mit seinem Wutausbruch verriet, denn der Kommissar erwähnte mit keinem Wort, wo der Einbruch stattgefunden haben soll.
"Hier habe ich Rechnungen von einer Firma in Rom vorliegen, auf der genau beschrieben steht, aus welchem Material der Schmuck hergestellt wurde und welche Steine sie dabei verwendeten. Anhand dieser präzisen Angaben kann jeder Juwelier den unechten Schmuck einwandfrei identifizieren. Auch wenn er wegen seiner meisterhaften Fertigung nur sehr schwer als Fälschung erkennbar ist", schaltete sich der Kommissar ein.
"Unechter Schmuck?" Diese Worte blieben Benni im Halse stecken. "Aber wo sind dann die richtigen Juwelen? Ich weiß genau, dass du Geschmeide im Wert von mehreren tausend Euro besitzt."
"Und den Tresor hattest du ja vollkommen leer geräumt," vollendete Marianne Bennis Aussage.
Überrumpelt stimmte er zu. Jetzt war es sowieso schon zu spät, noch zu leugnen. Er saß in einer Falle, aus der er nicht mehr heraus kam.
"Wo ist der echte Schmuck geblieben?" fragte Benni, aufgeregt und ungläubig zugleich.
"Erinnerst du dich noch an mein Kostüm, dass ich an diesem Abend trug? Ich ging als bezaubernde Jeannie. Dazu passten meine echten Juwelen hervorragend. Aber meistens verbarg ich sie hinter einem Schleier. Nur ab und zu blitzten sie hervor, was ihre magische Wirkung noch erhöhte.
Du selbst hast mich auf die Idee gebracht, denn du hattest so lange auf mich eingeredet, dass ich auf diesen Maskenball gehen solle, da musste etwas faul daran sein. Ich wurde misstrauisch, denn mir zuliebe würdest du kein Wort über den Ball verlieren, obwohl du genau weist, wie gerne ich tanze.
Du wolltest mich aus dem Haus haben, das war mir klar, aber warum nur? Ich dachte lange darüber nach, doch kam zu keinem Ergebnis. Vorsichtshalber nahm ich den ganzen Schmuck aus dem Tresor und tauschte ihn gegen jene Fälschungen aus, die dein Vater und ich uns bei unserem letzten Italienurlaub anfertigen ließen. Wir dachten niemals daran, dass sie auf diese Weise Verwendung finden würden.
"Ich hasse dich, ich habe dich noch nie leiden können", erwiderte Benni
"Das weiß ich und deshalb traue ich dir nicht über den Weg."
Kommissar Hendrich beendete die familiären Streitereien, indem er Benni abführte. Er hatte nun genügend Beweise gesammelt, um einen Haftbefehl gegen Benni beantragen zu können.
Bernhard Herzog, genannt Benni, sollte recht behalten, was seine Einschätzung von den, ihm angelasteten Verbrechen betraf. Aber sein arrogantes Verhalten vor Gericht war trotzdem unangebracht gewesen.
Der Verteidiger konnte erreichen, dass es ihm nicht als Einbruch ausgelegt wurde, sein Elternhaus heimlich zu betreten und Diebstahl unter Familienangehörigen hielten die Richter auch nicht für so gravierend, als hätte er fremden Leuten etwas weggenommen. Aber Benni freute sich zu früh, wenn er glaubte, mit einer Verwarnung davon kommen zu können.
Benni bekam es in dem Moment mit der Angst zu tun, als ihm versuchter Betrug, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung vorgeworfen wurden. Er wusste aus Erfahrung, in diese Dingen verstanden weder Staatsanwalt, noch Richter, keinen Spaß
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