Inhalt:

Offene Aussprache
Schmiede des (Un-)Glücks
Königskinder
Vergessene Gefühle

Offene Aussprache

Setz Dich Mal hin zu mir, ich hab Dir was zu sagen.
Jetzt sei nicht gleich wieder beleidigt, hör erst zu, bevor Du antwortest.
Ja, ja, ich weiß, zuhören ist nicht gerade Deine Stärke. Du liebst es zu schwätzen und lässt andere nur ungern zu Wort kommen.
Was glaubst Du wohl, warum Keiner mehr zu uns kommt?
Du kannst einfach Dein Maul nicht halten, bevor alle Gäste niedergequasselt sind.

Sich unterhalten, sieht anders aus.
Man wählt ein Thema, meist ergibt es sich von selbst und dann wechselt man sich gegenseitig mit Reden und Zuhören ab.
Jeder hat eine andere Meinung, weil alle Menschen unterschiedliche Lebenserfahrungen haben, das macht Unterhaltungen ja so interessant.
Doch Dir geht es am Arsch vorbei, was Deine Mitmenschen denken und weißt Du was?
Mittlerweile geht es ihnen genauso, wenn von Dir die Rede ist.

Du glaubst mir nicht?
Dann zeige mir doch Mal einen Freund, der gerne mit Dir was unternehmen möchte.
Kannst Du nicht?
Kein Wunder, weil sich alle im Angesicht Deiner Genialität verpisst haben.
Nur ich bin noch da, ich halte noch zu Dir.
Doch nicht mehr lange, wenn sich bei uns nichts ändert.
Ich hab‘s satt, wenn Du mir vom kaputten Vergaser erzählst, währen ich in Gedanken bei einer Geschichte bin, die ich schreiben möchte.
Auch der Preis von Zylinderkopfdichtungen interessiert mich dann nicht die Bohne.
Lass mich doch einfach in Ruhe arbeiten.
Hast Du Dir jemals eine Geschichte von mir durchgelesen?
Selbstverständlich nicht, das weiß ich doch. Es interessiert Dich nicht, was ich tue. Aber warum sollte ich mich dann mit Deinem Autokrempel befassen?

Ich bin der Meinung, dass es uns beiden gut tun würde, wenn wir in Urlaub fahren.
Weg vom Computer, fort von den Schrottkarren, nur noch uns selbst überlassen.
Weißt Du noch, wie unzertrennlich wir früher waren?
Meinst Du, dass es für uns zu spät ist?

Komm, lass es uns versuchen.
Ob Du es glaubst, oder nicht, ich liebe Dich – trotz allem.


Schmiede des (Un-)Glücks.

"Sind Sie schon einmal auf einen Aprilsscherz hereingefallen?"
Frank nahm den Zettel aus dem Briefkasten und staunte über diese Frage.
Wer wollte das wissen? Sicher steckte wieder so ein blöder Werbegag dahinter.
Doch auf dem etwas zerknitterten Blatt stand nichts andres, nur dieser Satz. Frank kam ins Grübeln.
Welchen Sinn macht es, so eine Frage zu stellen und dann keine Möglichkeit zum antworten zu geben? Wäre es eine Umfrage gewesen, dann hätte er es verstanden, aber so?
In Gedanken versunken stieg Frank die Treppe hinauf in seine Wohnung, wo der Frühstückstisch gedeckt war.
"Was hast du?", fragte Katrin, als sie in das ernste Gesicht ihres Mannes blickte.
"Da, lies. Das lag heute in unserem Briefkasten."
"Sonst nichts?"
"Nein, nur der Zettel da."
Katrin sah sich das Papier genauer an und schmunzelte.
"Aber natürlich bist du schon auf so einen Ulk reingefallen. Weißt du noch, als ich dir weis machte, es gäbe keine Zeitung, weil der Zusteller in Urlaub gefahren wäre?"
"Wie könnte ich das je vergessen. An diesem Tag versteckte ich mich nicht hinter dem Blatt, wie üblich, sondern besprach mit dir, was alles noch zu erledigen sei." Frank strich zärtlich über Katrins Handrücken und fügte noch hinzu. "Uns beiden hat das sehr gut getan. Seitdem reden wir zuerst miteinander. Lesen kann ich immer noch, wenn ich im Büro bin. Unser morgendliches Gespräch ist zu einer Gewohnheit geworden, die ich nicht mehr missen möchte".
"Bevor du weg gegangen bist, habe ich dir dann doch noch den Tageskurrier in die Manteltasche geschoben."
Frank grinste.
"Weil du nicht wolltest, dass meine Kollegen mich wegen dieses Scherzes auslachen". Er ging um den Tisch herum und umarmte seine Frau liebevoll.
"Also, was grämst du dich dann? Es ist nur ein Zettel, weiter nichts".
"Mir kommt er wie ein Hilferuf vor. Ich werde das Gefühl nicht los, dass mehr dahinter steckt, als es den Anschein hat".
"Und was willst du jetzt machen?"
Unschlüssig zuckte Frank mit den Achseln. "Keine Ahnung. Wenn wenigstens eine Adresse oder Telfonnummer drauf stehen würde, dann könnte ich erfahren, was das ganze soll."
"Denk einfach nicht mehr darüber nach, du verdirbst dir sonst den ganzen Tag".
Frank spülte mit einem Schluck Kaffe den letzten Bissen seines Frühstücks herunter und machte sich auf den Weg zur Arbeit.
Im Laufe des Tags hatte er die merkwürdige Frage ganz vergessen. Er dachte erst wieder daran, als ihm auf der Heimfahrt ein ungepflegter Kerl auffiel, der mit einem Stapel Papier in der Hand, aus einem Mietshaus kam.
Er sah wie ein Obdachloser aus, der irgend etwas in die Briefkästen der umliegenden Häuser warf
Frank wurde neugierig. Er parkte seinen Wagen und ging zu dem Mann.
"Verzeihen Sie, darf ich Mal sehen, was Sie da gerade verteilen?"
Der Angesprochene blieb stehen und hielt ihm eines der Blätter hin.
"Ich kenne diese Zettel. Heute morgen lag einer von ihnen in meinem Briefkasten. Warum machen Sie das? Welchen Sinn hat es, wenn niemand auf Ihre Frage antworten kann?"
Der Fremde lächelte und sagte mit angenehm klingender Stimme: "Mir reicht es schon, wenn die Leute aufmerksam werden und am ersten April nicht alles für bare Münze nehmen, was ihnen gesagt wird. Sind sie schon Mal in den April geschickt worden?"
"Ja", antwortete Frank. "Das letzte Mal von meiner Frau und ich muss sagen, dass wir heute noch darüber lachen."
"Dann haben Sie sehr viel Glück gehabt. Bei mir war das anders. Ich habe alles dabei verloren. Frau, Kinder, mein Heim, den Beruf, sogar meine Freiheit, nur weil ein früherer Freund mit mir seinen Spaß gemacht hatte und ich ihm glaubte".
"Wenn Sie erzählen möchten, was passiert ist, dann lade ich Sie zum Essen ein. Bestimmt haben Sie Hunger", schlug Frank voll Mitgefühl vor.
Traurig lehnte der Obdachlose ab.
"Sehen Sie mich doch Mal genauer an. Während er redete zog er den Stoff seiner Hosenbeine auseinander und sah an sich herunter. "So, wie ich aussehe, fliege ich überall raus".
"Auch im Burgerladen?"
"Auch da. Angeblich verdirbt mein Anblick anderen Gästen den Appetit."
"Dann werde ich halt hineingehen und bringe Ihnen was Leckeres mit. Sie können sich in der Zwischenzeit auf eine Parkbank setzen und auf mich warten. Aber bitte nicht weggehen, ich bin gleich wieder da."
Frank kaufte für den Mann zwei doppelte Burger mit Speck, eine Riesenportion Pommes und einen großen Becher Cola.
Als er aus dem Schnellimbiss trat, wartete der Mann tatsächlich noch auf ihn.
"Hier, das alles ist für Sie, lassen Sie es sich schmecken".
Nachdem der Mann aufgegessen hatte, fing er an zu erzählen.
"Ich heiße Andreas und habe eine Ausbildung als Maurer. Es ist ein guter Job, man verdient eine Menge Geld dabei. Üblicher Weise wird auf der Baustelle viel Bier getrunken. Dass langsam aber sicher mein Alkoholkonsum zu einem Problem wurde, wollte ich nicht wahr haben. Wenn Evi, meine Frau, Andeutungen darüber machte, wurde ich aggressiv und manchmal ist mir auch die Hand ausgerutscht." Die Augen von Andreas wurden feucht und seine Stimme begann zu zittern.
"Ich wollte ihr nicht weh tun, bitte glauben Sie mir, ich liebte doch meine Frau. Es kam einfach so über mich, ich konnte es einfach nicht kontrollieren.
Je öfter ich sie schlug, desto tiefer sank meine Hemmschwelle.
Mein Gott, warum hat sie mir immer wieder verziehen, warum ist sie nicht einfach davon gelaufen?"
In einem Anflug von Verzweiflung verbarg Andreas sein Gesicht mit den Händen.
"Bald sah ich es als ganz normal an, sie so zu behandeln. Ein richtiger Mann, der lässt sich von seiner Frau nichts sagen, vor dem muss sie kuschen. Das war damals meine Meinung."
"Was hat das alles mit dem ersten April zu tun?", fragte Frank. Mittlerweile bedauerte er es, sich auf dieses Gespräch eingelassen zu haben, denn ihn kotzten solche Typen an.
"Abwarten, das kommt gleich.
Es war an so einem verdammten erster April, als ich mit meinen Kumpels in der Kneipe saß. Plötzlich sagte Heinz zu mir, dass er Evi gesehen hätte, wie sie sich von so einem geschniegelten Kerl abschlecken hat lassen.
Schäumend vor Wut sah ich zu, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Evi öffnete die Tür. Noch bevor sie Hallo sagen konnte, schlug ich ihr mit der geballten Faust ins Gesicht. Du Hure – wer ist der Kerl, mit dem dich Heinz gesehen hat? Evi wusste nicht, was in mich gefahren war, heulte und stritt alle Vorwürfe ab. Das machte mich nur noch rasender und ich prügelte immer weiter auf sie ein.
Vom Krach wach geworden, standen plötzlich meine Kinder im Flur und weinten.
Ab ins Bett, sonst bekommt ihr auch noch was ab!, schrie ich sie an. Nachdem mein
Zorn verraucht war, legte ich mich hin und schlief gleich ein.
Was danach kam, erlebte ich wie in einem Albtraum. Heimlich hatten meine Kinder die Polizei informiert, denn ihre Mutter lag immer noch regungslos auf dem Boden. Für Evi kam jede Hilfe zu spät, ich hatte sie todgeschlagen. Natürlich wurde ich gleich verhaftet.
Das konnte nicht wahr sein, ich bin doch kein schlechter Kerl und liebe meine Frau, hämmerte es mir immer wieder durch den Schädel. Am schlimmsten war für mich, dass das alles nicht hätte passieren müssen.
In der Gerichtsverhandlung stellte sich heraus, meine Frau war niemals fremd gegangen. Heinz wollte nur einen Aprilscherz mit mir machen. Angeblich konnte er nicht ahnen, dass ich auf Grund seiner Anschuldigung derart ausrasten würde. Er hatte in mir immer einen guten Kumpel gesehen, der keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. So jemand schlägt doch keine Frau.
Noch nicht Mal eine Entschuldigung kam über seine Lippen. Er tat so, als würde ihn das, was er mit seinem Geschwätz angerichtet hatte, nichts angehen".
"Und was ist mit Ihren Kindern geschehen?", fragte Frank sichtlich erschüttert
"Um die Kleinen hat sich das Jugendamt gekümmert. Sie litten unter einem schweren Schock, weil sie miterlebt hatten, wie ihre Mama starb.
Aber so ein Seelenklempner hat das prima wieder hin gekriegt. Er sorgte auch dafür, dass sie von einer Pflegefamilie aufgenommen wurden.
Nachdem ich meine Strafe abgesessen hatte wollte ich wieder mit ihnen Kontakt aufnehmen, doch meine Kinder weigern sich mich zu sehen.
Hab ich denn nicht schon genug gebüßt? Ich bin doch immer noch ihr Vater. Zählt das denn gar nichts mehr?"
Frank hatte genug gehört. Er konnte diesen Kerl nicht mehr ertragen.
Jeder und alles sollte Schuld an seiner Lage sein, nur er nicht. Sich dann auch noch als Menschenfreund auszugeben, der seine Mitbürger vor eventuellem Schaden bewahren möchte, war wohl der Gipfel an Scheinheiligkeit. Was er seinen Kindern angetan hatte, tat er mit einer unglaublichen Leichtigkeit ab. Andreas hatte das Leben ihrer Mutter auf dem Gewissen. Diese Tat werden sie ihm nie verzeihen können! Auch nicht nach ein paar Jahren Gefängnisaufenthalt.
Ohne sich zu verabschieden ging Frank zum Auto und fuhr nach Hause.
Während der Fahrt freute er sich auf Katrin. Ihm wurde wieder einmal bewusst, mit welchem Glück er gesegnet gewesen war, in ihr die Liebe seines Lebens gefunden zu haben.
Kaum angekommen, nahm er seine Frau und die Arme und gab ihr einen innigen Kuss.
Diese Begrüßung war ungewöhnlich, doch Katrin ließ sie sich gerne gefallen.
"Irgend etwas ist doch vorgefallen, du bist heute so anders", wollte sie wissen.
"Ach, ich bin nur glücklich darüber, dass wir uns gegenseitig verdient haben".
"Du meinst also, ich hätte DICH verdient?"
"Ja", antwortete Frank mit tiefer Stimme und nickte bestätigend mit seinem Kopf.
"Und du hast MICH verdient?"
"Ja", hörte sie ihn mit der gleichen Ernsthaftigkeit sagen.
"Da bin ich aber ganz anderer Meinung". Zum Scherz knuffte Katrin ihren Mann in den Bauch und rannte davon.
Frank folgte ihr sofort und versuchte sie einzufangen. Wie kleine Kinder vergnügten sie sich mit ihrem Nachlaufspiel, bis Frank seine Frau zu fassen bekam und nicht mehr los ließ.
"Ich habe Hunger", wandte Katrin ein.
"Ich auch – auf dich", erwiderte Frank während er sie ins Schlafzimmer trug.
Es sollte noch lange dauern, bis Beide Nahrung zu sich nahmen.


Königskinder

Erika schlenderte durch den Stadtpark. Sie genoss die abendlichen Spaziergänge, bei denen sie sich von ihrem anstrengenden Alltag erholte. Blühende Sträucher dufteten verführerisch süß und munter zwitschernde Vögel belebten die Atmosphäre. Auf einer Bank hatte sich ein verliebtes Pärchen niedergelassen. Eng umschlungen küssten sie einander und achteten nicht auf die Umgebung. Erika konnte ihren Blick von den Beiden nicht abwenden. Ein brennender Stachel durchbohrte ihr Herz.

Dabei gab es für sie keinen Grund neidisch zu sein. Die Welt lag ihr scheinbar zu Füßen. Als Mitarbeiterin einer Züricher Rechtsanwaltskanzlei hatte sie alles erreicht, wovon sie immer träumte. Auf Wirtschaftsstrafrecht spezialisiert, konnte sie einige Prozesse, bei es um Millionenbeträge ging, zur vollen Zufriedenheit ihrer Klienten abwenden. Das Honorar war dementsprechend hoch angesetzt gewesen.Am Tag gefeierte Wirtschaftsanwältin, welche von Medien umschmeichelt und von ebenso vielen Neidern, wie Gönner umgeben war, musste sie oft genug erleben, wie alle interessanten Männer, die sie gerne näher kennengelernt hätte, von ihren Erfolgen abgeschreckt wurden. Es traute sich niemand an sie heran. Was hätte er ihr auch bieten können, dass sie nicht schon längst besaß?

Ihrer Mutter sagte immer, dass Männer von Frauen bewundert werden wollen und stolz über ihre Leistungen berichten. Umgekehrt habe es die Natur nicht vorgesehen.
Als junges Mädchen hatte sie diese Meinung für überholt gehalten, erst später erkannte sie deren Wahrheitsgehalt. Deshalb hatte sich Erika für ihren Urlaub etwas ganz besonderes ausgedacht.
Sie ging in mehrere Kaufhäuser und kleidete sie sich völlig neu ein. Mit dem Wechsel ihrer Garderobe, wurde aus der distanziert eleganten Dame eine junge Frau, die sich zwar keine teuren Designertextilien leiste konnte, aber dennoch geschmackvoll gekleidet war. Ihre Haare bändigte sie auch nicht mehr mit Spangen und Bändern, sondern ließ die Locken einfach auf ihre Schulten fallen. Ein paar Bürstenstriche genügten, den Rest der Frisur überließ sie dem Wind.
Mit sich und ihrem Spiegelbild zufrieden, mietete Erika einen Leihwagen. Ihr Sportcabriolet passte nicht mehr zu dem neuen Erscheinungsbild, es war zu protzig. Fröhlich startete Erika in den Urlaub und fühlte sich frei, wie ein Blatt im Winde.
Der Sommer war heiß und die Nächte schwül, deshalb fuhr Erika an Deutschlands Nordseeküste. Dort waren aber fast alle Hotels ausgebucht gewesen. Mit Hilfe der Touristeninformation konnte sie dennoch ein Zimmer bekommen, aber auch nur, weil ein Gast seine Reservierung kurzfristig storniert hatte.
Erika war zufrieden mit dem Hotel das wesentlich teurer war als ursprünglich geplant. Dafür bot es aber auch Annehmlichkeiten, auf die sie nur ungerne verzichtet hätte.
Am Tag machte sie es sich am Swimmingpool bequem und abends ging sie in die hauseigene Diskothek, um sich dort zu amüsieren. Mit ihrer unbeschwerten Ausstrahlung und dem herzerfrischenden Lachen, blieb sie nie lange alleine. Doch wenn einer der Herren ihr zu nahe treten wollte, dann hielt sie ihn ganz schnell auf Distanz. Ein einziges Mal passierte es ihr, dass sich ein Mann nicht an die Regeln halten wollte und sie bedrängte. Er wurde freundlich, doch unmissverständlich vom Hotelmanager in seine Grenzen gewiesen.
Erika war erstaunt, woher dieser gut aussehende, autoritätsgewohnte Herr so plötzlich kam. Er hätte ihr auffallen müssen, denn so ein Prachtexemplar von Mann war eigentlich unübersehbar.
"Seitdem sie bei uns eingecheckt haben, standen sie unter meiner Beobachtung," sagte er gelassen.
"Und warum?", wollte Erika wissen.
"Verzeihen sie, zuerst dachte ich, sie könnten sich unser Haus nicht leisten", dabei sah er sie abschätzend von oben bis unten an. "Doch ihre Bank scheint keine Einwände gegen die hohen Kosten zu haben."
"Das ist ja allerhand! Sie schnüffeln also meinen finanziellen Möglichkeiten hinterher!"
"Dieses Hotel ist nicht gerade billig. Hier übernachten gewöhnlich keine Panda-Fahrer," rechtfertigte er sich.
"Und, als sie erfuhren, dass ich es mir leisten kann, bei ihnen ein Zimmer zu nehmen, waren sie dann beruhigt?"
"Nicht ganz. Erst musste ich noch sicher sein, dass sie keinem erotischen Gewerbe nachgehen. Solche Damen schaden dem guten Ruf des Hauses."
"Das wird ja immer schlimmer", empörte sich Erika. "Was halten sie eigentlich von mir?"
"Dass sie ein ganz reizendes Geschöpf sind und es mir eine Ehre ist, sie zu begrüßen."
Durch dieses unerwartete Kompliment versöhnt, willigte Erika ein, zur Wiedergutmachung mit dem Hotelmanager ein Glas Champagner zu trinken.
Zuvor eilte sie auf ihr Zimmer, um sich dem Anlass entsprechend umzuziehen.
Das Abendkleid war zwar "von der Stange", doch sie sah atemberaubend darin aus. Sanft umschmeichelte dunkelblaue Kunstseide ihre Hüften. Ein Bernsteincollier, dessen warmgoldene Farbe ihre Augen zum Funkeln brachten, schmückte den Ausschnitt.
Noch nie war Hendrik eine Frau begegnet, die es verstand mit einfachen Mitteln, sich so vorteilhaft zur Geltung zu bringen.
"Sie sehen umwerfend aus", sagte Hendriks bewundernd.
Erika lächelte erfreut.
"Darf ich ihnen das Kompliment zurück geben?", fragte sie geschmeichelt.
Wenige Minuten später bot Hendrik seinem Gast das Du an. Die Welt um ihn herum schien zu verschwinden. Seine ganze Aufmerksamkeit galt nur noch der Person, die ihm gegenübersaß. Alles andere war unwichtig geworden. Weit nach Mitternacht begleitete Hendrik Erika auf ihr Zimmer. Vor der Tür gab er ihr den ersten Kuss, den sie hingabevoll erwiderte. Bis in die Fingerspitzen spürte sie das prickelnde Verlangen nach mehr, doch Hendrik wandte sich ab und stürmte die Treppe hinauf, in seine Privaträume.
In dieser Nacht konnte Erika nicht einschlafen. Immer wieder dachte sie an den Kuss, der so gefühlvoll ihre Sinne erbeben ließ. Sie war verliebt. Wie eine verdurstende, unvernünftig und voller Leidenschaft spürte sie ihr rasendes Herz.
Hendrik erging es ähnlich. Auch er fand keinen Schlaf. Der Zauber dieser Frau hielt ihn gefangen und er hatte Angst, sie wieder zu verlieren. Ganz behutsam würde er sich ihr nähern ,denn er befürchtete sonst ihr unbekümmertes Lachen zu vertreiben.
Ungern ging er am nächsten Tag seiner Arbeit nach. Viel lieber hätte er die Zeit mit Erika verbracht. Um so mehr erstaunt es ihn, dass sie volles Verständnis für die Erfüllung seiner Pflichten aufbrachte.
Während der Tage unternahm Erika Ausflüge, die vom Touristenbüro aus angeboten wurden, doch jeden Abend verbrachte sie mit Hendrik. Hand in Hand gingen sie durch die warme Sommernacht und suchten nach Sternenschnuppen am Firmament. Später dann versanken sie in inniger Umarmung in ein Meer von Glückseeligkeit.
Erikas Urlaub ging zu Ende und Hendrik wollte sie unbedingt überreden da zu bleiben und im Hotel eine Arbeit anzunehmen.
"Du kennst mich nicht, ich kann nicht einfach alles stehen und liegen lassen. Dazu trage ich eine viel zu große Verantwortung", lehnte sie ab.
"Welche Verantwortung sollte das sein?", fragte Hendrik verständnislos. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er so gut wie nichts von Erika wusste.
"Lass es mich dir erklären."
Doch Hendrik hörte nicht zu. Mit einem Kuss wollte er ihre Lippe verschließen, da wandte sich Erika entschlossen ab. Kurz danach legte sie die neueste Ausgabe des Magazins "Der Markt" auf den Tisch. Die erste Seite zeigte ein großes Bild von ihr und darunter stand, dass sie als beste Wirtschaftsanwältin des Jahres ausgezeichnet worden war.
"Was soll das? Was willst du mit diesem Magazin?"
"Schau dir doch mal das Titelblatt genau an. Fällt dir gar nichts auf?"
Erst auf dem zweiten Blick erkannte er seine Liebste.
"Du hast mich reingelegt," schrie er innerlich aufgewühlt. "Alle Achtung Frau Anwältin. Wie einem kleinen Jungen haben sie mir eine Lektion in Sachen Liebe erteilt. Das war bestimmt sehr amüsant. Aber mit Gefühlen spielt man nicht. Pfui Teufel kann ich dazu nur sagen!"
"Bitte glaube mir, ich habe dir nichts vorgemacht." Sie nahm sein Geicht in beide Hände und küsste die Falten des Zorns weg. "Aber ich kann nicht bleiben. Ohne meine Mitarbeit in der Kanzlei würde ich todunglücklich werden. Das ist ein anderer Teil von mir, doch er gehört dazu. Von dir verlange ich ja auch nicht, dass du deinen Beruf aufgibst.
Hendrik verabschiedete sich frühzeitig. Was er soeben erfahren hatte, das musste er erst einmal in Ruhe verarbeiten.
Am darauffolgenden Morgen lud Erika ihre Koffer in den Panda ein.
Wie aus dem Nichts stand Hendrik plötzlich hinter ihr und nahm sie ganz fest in den Arm. Tränen rannen über seine Wangen. Leise flüsterte er ihr die Abwandlung eines Kinderlieds ins Ohr:
"Wir sind zwei Königskinder, die haben einander so lieb. Wir können zusammen nicht kommen, der Graben ist viel zu tief. - Leb wohl mein Herz, unsere Liebe war nur ein Traum."
"Aber ein Traum, der mich immer begleiten wird," fügte Erika hinzu. Sie küsste ihn ein letztes Mal mit aller Intensität, deren sie fähig war. Dann stieg sie in den Wagen und fuhr davon.

Vergessene Gefühle


Der lähmende Alltag nagte an Saskias Laune. Etwas fehlte in ihren Leben, doch sie konnte nicht sagen, was es war.

Ihre Sehnsucht nach einer grundlegenden Veränderung ließ sie nicht zur Ruhe kommen. Das ging sogar so weit, dass sie einen Psychotherapeuten konsultieren wollte. Tag für Tag fühlte sie sich schlechter.
noch Verwandte zeigten Verständnis für ihre Unzufriedenheit.
Deren Meinung nach hatte sie alles, was zu einem guten Leben gehörte.
Sie war glücklich verheiratet. - Na, ja, zumindest ging ihr Mann nicht fremd und sie stritten selten.
Saskia war Mutter von zwei Kindern. Junge und Mädchen. Genau so, wie sie es sich gewünscht hatte und finanzielle Probleme kannte sie auch nicht.
Ärgerlich über ihre Empfindlichkeiten machte sie sich für einen kleinen Stadtbummel zurecht.
Ein kurzer Blick auf die Armbanduhr zeigte ihr, dass sie noch zwei Stunden hatte. Dann musste sie wieder zu Hause sein, weil die Kinder aus der Schule kamen.
In der Stadt schlenderte die junge Frau von einem Schaufenster zum anderen.
Sie sah nichts, was ihr Interesse wecken konnte. Weder Schuhe, noch Designermoden holten sie aus dem Stimmungstief heraus.
Plötzlich viel ihr Blick auf ein rechteckiges, goldglänzendes Messingschild, auf dem
Dr. Köhler, Psychotherapeut stand. Ein dicker, schwarzer Pfeil zeigte um die Ecke, in eine kleine Nebengasse hinein.
Saskia atmete tief durch.
Jetzt oder nie. Dies war die beste Gelegenheit, einen Termin auszumachen. Sie hatte doch schon öfter daran gedacht, fachmännische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Worauf wartete sie dann noch?
Saskia zögerte.
Sie war doch nicht verrückt! An einen Psychologen zu denken und sich in seine Behandlung zu begeben, waren zweierlei.
Als ob ihr das gegenüberliegende Gebäude bei der Entscheidung helfen könne, betrachtete sie es ausgiebig.
Ein kleiner Laden, der mit allerlei Musikinstrumenten handelte, hatte sich dort eingerichtet. Neugierig ging Saskia auf das Schaufenster zu.
Saskia hatte diesen Laden noch nie gesehen. Kein Wunder, denn sie war niemals in diese Nebenstrasse eingebogen.
Leise Musik ertönte aus dem Geschäft. Diese wirkte beruhigend und einladend zugleich.
Erwartungsvoll betrat die junge Frau das Geschäft.
Interessiert musterte sie die verschiedenen Instrumente, welche ausgestellt waren.
Ihr Blick blieb an einer Gitarre hängen, die achtlos in einer dunklen Ecke stand. Deutliche Gebrauchsspuren minderten ihren Verkaufswert. Das Instrument war nicht repräsentativ genug, um neben den anderen, auf Hochglanz polierten Gitarren zu liegen
Genauso eine Gitarre besaß Saskias erster Freund, ihre "ganz große Liebe", wenn er mit seinen Kameraden unterwegs war.
Die Erinnerungen an ihn führten sie in ihre Vergangenheit zurück.
Wehmütig dachte sie an das Lagerfeuer, um das sich damals alle Freunde versammelt hatten. Im Halbkreis angeordnet tranken sie Bier und lauschten den Klängen, die Saskias Liebster aus seiner Gitarre hervorzauberte. Er spielte wunderbare Melodien. Voll Gefühl und Zärtlichkeit. Es war eine schöne Zeit damals.
Ein sehnsüchtiges Aufatmen, brachte Saskia in die Gegenwart zurück.
Dem Wunsch, diese Gitarre zu besitzen, konnte sie nicht widerstehen.
Damals spielte sie beinahe so gut wie ihr Freund. Zwar hatte sie seit Jahren so ein Instrument nicht mehr angefasst, doch sie war sich sicher, mit etwas Übung ihre alten Fähigkeiten schnell wieder zu erlangen.
Es wurde höchste Zeit, dass sie anfing zu spielen. Damals hatte es ihr doch so viel Freude gemacht. Sie kaufte diese Gitarre und verließ gutgelaunt den Musikladen.
Ein kurzer Blick auf die Armbanduhr zeigte ihr, dass sie sich beeilen musste, wenn sie rechtzeitig zuhause sein wollte.
Daheim angekommen, summte Saskia eine einfache Melodie vor sich hin. Sie freute sie sich auf die Heimkehr ihrer Kinder und darauf, ihnen die Gitarre zu zeigen. Bisher wussten die Kleinen noch gar nicht, dass ihre Mutter so ein Instrument spielen konnte. Saskia war gespannt darauf, wie die Kleinen auf diese Neuigkeit reagieren würden.
Mit lautem Getöse kamen die Geschwister zurück. Wie gewöhnlich stritten sie miteinander. Dabei war es vollkommen unwichtig, worüber sie sich zankten. Für die Kleinen war es ihre ganz normale Form der Kommunikation.
Saskia kümmerte sich nicht um den Krach. Als sich die beiden Kampfhähne beruhigt hatten, holte sie ihre Gitarre hervor und begann zu spielen.
Es hörte sich leider nicht so besonders gut an, denn ihr fehlte die Übung, um eine wohlklingende Melodie ertönen zu lassen.
Dementsprechend war auch der Kommentar ihrer Kinder.
"Wie lange müssen wir uns das noch anhören", "bitte tu uns den Gefallen und klimpere, wenn wir in der Schule sind" oder "das ist ja grässlich", waren die entmutigenden Bemerkungen ihrer unfreiwilligen Zuhörer.
Enttäuscht räumte Saskia ihre Gitarre wieder weg.
Dass es so schlimm klingen würde hätte sie nicht gedacht.
Als ihr Mann nach Hause kam, erwähnte sie nur beiläufig etwas von ihrer Neuerwerbung und dass sie noch eine Weile üben müsse, bis sie soweit sei, ihre Künste der Familie präsentieren zu können.
Ihr Mann hatte nur mit einem Ohr zugehört. Ihm war es gleich, womit seine Frau sich während des ganzen Tages beschäftigte. Solange der Haushalt ausreichend gepflegt und die Kinder ordentlich versorgt waren, konnte sie seinetwegen anstellen, was sie wollte.
Am nächsten Tag, es war ein Samstag, wünschte sich Saskia sehnlichst ihre Gitarre auszuprobieren.
Doch wie sollte sie es anstellen, ohne anwesende Familienmitglieder durch ungewollt erzeugte Missklänge zu belästigen? Sie war ja keine Sekunde allein im Haus.
Deshalb ging Saskia am Nachmittag in den nahegelegenen Stadtpark.
Auf einer Parkbank sitzend konnte sie spielen, solange sie wollte. Niemand fühlte sich gestört und falls doch, so genügte es ein paar Schritte weiterzugehen und schon konnte man nichts mehr hören.
Saskia spielte verträumt. Je länger sie sich mit dem Instrument beschäftigte, desto mehr fühlte sie ich in jene Zeit versetzt, als sie noch jung war und voller Optimismus in die Zukunft blickte.
Es tat ihrer Seele gut sich mit der eigenen Vergangenheit auseinander zu setzen, Bilanz zu ziehen und neue Kraft für die Gegenwart zu schöpfen. Die Umgebung des Parks, mit seinem kleinen Teich auf dem sich Enten tummelten, schaffte eine Atmosphäre, in der Saskia die Gegenwart vergessen und sich alleine auf ihre Gefühle konzentrieren konnte.
Nach einigen Tagen griffen Saskias Hände die schwierigsten Akkorde wie von selbst. Ohne Unterbrechungen entlocke sie der Gitarre Melodien, die angefüllt waren von Liebe, Leidenschaft, Enttäuschung oder Trauer. Es kam ganz darauf an, in welcher Stimmung sie sich befand.
Immer öfter blieben Spaziergänger stehen und hörten der jungen Dame zu, die so hinreißend spielen konnte.
Saskia bemerkte gar nicht, dass sie von Leuten umringt war. Erst als diese anfingen zu klatschten sah sie, dass sie nicht alleine mehr war.
"Junge Dame, ich muss sie bitten mit dem spielen sofort aufzuhören."
Eine messerscharfe Stimme riss Saskia aus ihren Träumen.
"Aber warum denn", antwortete Saskia verständnislos. "Ich tue doch nichts Unrechtens."
"Das glauben sie, aber haben sie eine Genehmigung hier zu spielen?"
Saskia lächelte. "Nein, habe ich nicht. Ich habe mir auch keine Genehmigung eingeholt, auf dieser Bank zu sitzen und den Duft der Blumen einzuatmen." Sie wollte ironisch wirken, doch der Parkwächter verstand keinen Spaß.
"Sie erzeugen eine Menschenansammlung. Haben sie sich um die notwendigen sanitären Verhältnisse gekümmert?"; meinte er unbeirrbar.
"Wegen mir hat dieser Park keinen einzigen Besucher mehr. Toiletten dürften also ausreichend vorhanden sein."
"Und wie sieht es mit den Sicherheitsmaßnahmen aus? Wo ist der nächste Sanitäter, falls einer ihrer Zuhörer plötzlich umkippen sollte?", triumphierte der Mann auf. So eine widerspenstige Person, wie diese Frau, war ihm schon lange nicht mehr begegnet.
"Der Sanitäter ist dort, wo ihn alle Menschen finden die unter Asthma leiden und an den duftenden Blumenrabatten vorbeigehen." Saskia schüttelte verständnislos den Kopf. "Ich sitze einfach nur da und spiele. Das mache ich nur für mich selbst. Wenn mir jemand zuhören möchte, dann sollte man ihm die Freiheit dazu lassen "
"So einfach, wie sie sich das vorstellen, ist es aber nicht. Wenn sie für sich selbst spielen, dann machen sie das gefälligst zuhause. Dieser Park ist kein Konzertsaal. Ich muss sie dringend dazu auffordern das Gelände zu verlassen, andernfalls sehe ich mich gezwungen, die Polizei zu verständigen."
Saskia verstand die Welt nicht mehr. Wie konnte der Parkwächter nur so übertreiben. Sicher, wenn sie spielte, dann bildete sich ein Kreis von Zuhörern, doch deswegen gab sie noch lange kein Konzert.
Aber es hatte keinen Zweck sich mit diesem Mann anzulegen. Deshalb nahm sie lieber ihre Gitarre und ging nach Hause.
Auf ihrem Heimweg wurde Saskia von einem Ehepaar angesprochen, dass ungefähr im gleichen Alter war, wie sie selbst. Weder der Mann, noch seine Frau hatten sich getraut für Saskia einzutreten, als der Parkwächter sie so unerbittlich vom Platz verwies. Das Ehepaar versicherte ihr aber, dass sie es wunderschön fanden, ihrem Gitarrenspiel zuzuhören. Es schuf eine Atmosphäre, die sie sehr genossen hatten. Während ihres Urlaubs konnte das Paar jene Freiheit genießen, wie sie in südlicheren Ländern allen Musikanten geboten wurde. Dort würde niemand auf die Idee kommen, jemanden blöde anzureden, nur weil er öffentlich Gitarre spielte. Sie fanden es jammerschade, nun auf ihre Musik verzichten zu mussten.
Es entwickelte sich ein ausgiebiges Gespräch zwischen dem Ehepaar und Saskia, in dem sie weitere Übereinstimmungen in ihren Weltanschauungen fanden.
Schließlich tauschten sie ihre Adressen aus und verabredeten sich für den kommenden Samstag zu einem gemütlichen Abend im Hause des sympathischen Paares.
Widerstrebend begleitete Saskias Mann seine Frau. Er war es nicht gewohnt fremde Leute zu besuchen. Eigentlich hatte er sich für diesen Samstag etwas ganz anders vorgenommen. Angeln gehen zum Beispiel, oder mit seinen Freunden zu einem wichtigen Fußballmatch zu fahren. Doch sie bestand darauf, dass er dieses Mal mit ihr zusammen den Tag verbrachte. Um des häuslichen Friedens Willen gab er aufopfernd nach. "Sei so lieb und lass wenigstens die Gitarre zu Hause," bat er. Die Kinder haben mir erzählt, wie du spielst. Mir ist es richtig peinlich, wenn du dich vor anderen Leuten so blamierst."
Das herzliche Willkommen der Gastgeber, erstaunte ihn. Es schienen wirklich sehr nette Menschen zu sein, die seine Frau kennen gelernt hatte.
"Siehst du, so schlimm ist es gar nicht, mal etwas anderes zu unternehmen, als ständig mit deinen Freunden herumzuhängen", sprach Saskia ihn an, als sie merkte, wie sehr es ihrem Mann gefiel, über seine Jugend zu plaudern.
Als Saskia von den Gastgebern aufgefordert wurde ein paar Lieder aus jener Zeit zu spielen, wollte ihr Mann seinen Ohren kaum trauen. War das wirklich seine Frau, die alle Anwesenden so verzaubern konnte?
Er sah Saskia an, als sei ihm ein Geist aus vergangenen Tagen erschienen.
Plötzlich war es wieder da, dieses faszinierende Mädchen, von dem er früher seine Augen nicht abwenden konnte. Der Alltag schien es verschluckt zu haben.
Er vermisste es sehr, doch war er ehrlich genug einzugestehen, sich nie die Mühe gemacht zu haben, es zu suchen.
In Gesellschaft fremder Leute tauchte es auf einmal wieder auf und erschien ihm begehrenswerter, als je zuvor. Aus dem enthusiastischen Mädchen von damals war eine selbstbewusste Frau geworden, deren kindische Träumereien sich verändert hatten und Platz machten für Erfahrung, Zuverlässigkeit und der Fähigkeit ihre Träume musikalisch auszudrücken.
Er nahm seine Frau zärtlich in den Arm.
"Ich muss dir dringend etwas sagen, was ich fast vergessen habe," flüsterte er ihr zärtlich ins Ohr.
"Ich liebe dich mit jeder Faser meines Herzens. Du bedeutest mir mehr, als alles Andere auf der Welt."
Dann gab er ihr einen langen, intensiven Kuss, mit dem er all seine wiedergefundenen Gefühle aufleben ließ.