Inhalt:


Eine Nacht mit dem Weihnachtsmann

Tannenbaum in Not

Als der Weihnachtsmann Schnupfen bekam

Bernhardts Wandlung



Eine Nacht mit dem Weihnachtsmann.

 

Wenn die Feiertage beginnen, herrscht bei mir Hochbetrieb. Jahr für Jahr wird es schwieriger, die in mich gesetzten Erwartungen zu erfüllen.

Hat sich jemand mal Gedanken darüber gemacht, wie ich an den geschmückten Baum rankommen soll?

Selbstverständlich nicht, warum auch?

Geschenke müssen drunter liegen, so verlangt es die Tradition und damit hat’s sich dann aber auch.

Bisher klappte alles zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten, was sollte sich daran ändern? 

 

Doch heutzutage bleibt mir kein Schlupfloch mehr übrig, durch das ich durchkriechen kann.

Früher, da wurde jede Wohnung mit Öfen beheizt. Ganz im Gegensatz zu dem, was in Büchern steht, oder in Filmen zu sehen ist, bin ich am liebsten durch den Herd in der Küche gekrochen. Der war wenigstens nach Mitternacht kalt gewesen und ich habe mir nicht den Kittel verbrannt.

Seitdem fast jedes Haus eine Zentralheizung hat, geht die ganze Romantik flöten und ich muss mir etwas anderes einfallen lassen.

 

Warum werden Weihnachtsbäume eigentlich nicht gleich neben dem Heizkessel aufgestellt? Das wäre doch mal eine Idee, die Sinn macht. Nach all den Jahren treuer Dienste darf ich ein wenig Entgegenkommen wohl erwarten – oder?

Warm ist es dort auch, ohne zusätzliche Energiekosten zu verplempern.

Einzelne Mietparteien könnten sich den Preis für einen gemeinsamen Tannenbaum teilen. Geiz ist – nein, ich will’s einfach nicht mehr sagen.

Sollte jemals der Baum abfackeln, - einfach die Tür schließen, Feuerwehr anrufen und der Schaden würde gering bleiben, wenn’s überhaupt einen gäbe.

Kinder hätten bestimmt nichts gegen einer Feier im Keller einzuwenden. In dem dunklen Raum käme die Kerzenbeleuchtung richtig gut zur Geltung und keine Mutter würde rumnörgeln:„Zieh dich anständig an und wasch Dir die Hände“.

Bei dem dort herumliegenden Staub, fallen die größten Dreckspatzen nicht mehr unangenehm auf. Etwas mehr Mut zum Außergewöhnlichen und viel Ärger ließe sich vermeiden.

Ein weiterer Plus-Punkt meiner Idee ist, dass sich dabei die Hausbewohner besser kennenlernen können und ältere Menschen, die alleine leben, am „Heiligen Abend“ nicht so traurig sind.  

 

Doch Vater und Mutter wollen es ja festlich haben und verbringen die friedlichste Zeit des Jahres im blitzblank geputzten Wohnzimmer.  

Um dem Anlass gerecht zu werden ziehen sie Kleidung an, die nur ganz selten getragen wird. Manche Ehefrau behängt sich mit so viel Schmuck, dass sie mit dem Weihnachtsbaum um die Wette glitzert. Bei all dem künstlichen Schein weiß ich gar nicht, wo ich hinschauen soll. Fehlt nur noch, dass sie eine brennende Kerze in der Hand hält. Wer wird es mir dann übel nehmen, wenn ich die Geschenke unter ihrem Kleidersaum lege?

Man sagt zwar, irren sei menschlich, aber mir können auch Fehler passieren.

 

Weil die einzelnen Wohnungen dicht verschlossen sind, bleibt mir nichts anderes übrig, als einzubrechen. Es ist nicht meine Schuld, doch was soll ich sonst machen?

Im Fernsehen berät die Kriminalpolizei, wie man sich vor Dieben schützt. Die Spezialisten wollen möglichst viele Leute aufklären, wie leicht ein Dieb in ihr Haus eindringen kann. An mich denkt dabei natürlich keiner.

Wenigstens gehe ich nicht unbefugt rein. Die meisten Menschen erwarten mich sogar. Warum öffnen sie dann nicht ein Türchen für mich?

Ein ganz kleines würde reichen, dass nur in dieser besonderen Nacht offen wäre. Ich finde es ganz bestimmt. Als berufsmäßiger Einbrecher, bleibt mir keine Gelegenheit verborgen.

 

Im Sack, den ich mit mir rumschleppe, sind nur ganz selten Geschenke drin. Das war früher anders. Die Geschenke werden heutzutage von Angehörigen oder Bekannten besorgt. Mir kann’s Recht sein, dann ist auch niemand nach meinem Besuch enttäuscht.

Umtauschen geht auch leichter, wenn der Kassenbon vorliegt. Erklären Sie Mal einer Verkäuferin, dass der Weihnachtsmann nicht weiß, welche Konfektionsgröße Sie haben. Auf diesem Ohr ist sie taub. Ohne den richtigen Zettel, nimmt die Dame absolut nichts entgegen.     

 

Heutzutage habe ich meist Werkzeug dabei.

Brecheisen, Zange, Gummihammer, Schläuche, Batterie, Kompressor, Betäubungsgas und jede Menge Brandsalbe gehören zur Grundausstattung eines jeden Weihnachtsmannes. Ganz schön schwer das Zeug, dabei habe ich noch lange nicht alles aufgezählt.

Kann mir sehr gut vorstellen, wer alles auf den Inhalt meines Sacks scharf wäre. Aber diese Typen bekommen ihn nicht. Ehrenwort.

 

Wie ich die Eingangstür aufbreche, ohne Spuren zu hinterlassen, wird nicht verraten. In dieser Hinsicht bin ich vorsichtig geworden. Nachher zeigt mich noch jemand wegen Verbreitung krimineller Tricks an.

„Weihnachtsmann in Polizeigewahrsam“.

Klingt wie eine Schlagzeile aus der Regenbogenpresse.

Die Gesetzeshüter würden blöd gucken, weil sie bei mir keine Fingerabdrücke abnehmen können. Auch mit ihrem Gen-Test kommen sie nicht weiter, denn damit können nur Menschen identifiziert werden.

Mit breitem Lächeln denke ich an den Innenminister, der ganz schön ins Rotieren gerät, wenn, er davon erfährt. Diese Art ziviler Verweigerung würde ihn so lange keine Ruhe lassen, bis er Mittel und Wege gefunden hat, dem zu begegnen.

Wer sich erfolgreich dem Erkennungsdienst entzieht, der muss ein ganz gefährlicher Typ sein. Die hart erarbeitete nationale Sicherheit geht den Bach runter, wenn so etwas Schule macht. Jeder hat etwas zu verbergen und was das ist, müssen die armen Kripobeamten halt irgendwie heraus bekommen.

 

Dabei kennt mich doch jeder.

Falls nicht, dann einfach bei Oma nachfragen, die weiß Bescheid. Wer keine Großmutter hat, der kann auch ins Seniorenheim gehen. Dort sitzen genügend qualifizierte Leute herum, die sich über jeden Besuch freuen und gerne Auskunft geben.

Aber auf so eine Idee kommt niemand. Ab einem gewissen Alter, werden Menschen nicht mehr ernst genommen. Vielleicht ist das der Grund, warum ich öfter als Witzfigur hingestellt werde.

Allen Märchentanten, die mit unermüdlichem Erzählen den wahren Geist von Weihnachten erhalten, spreche ich meinen aufrichtigen Dank aus.   

Sie wissen, dass ich auf die Erde komme, um zu geben und nicht, um zu nehmen.

Deshalb werde ich mich davor hüten, Angst vor eingebildeten Straftaten zu nehmen. Den Staatsdienern tue ich keinen Gefallen damit. Arbeitslose gibt es schon genug im Lande. 

 

Wenn ich alle, mir zugewiesenen Wohnbauten abgeklappert habe, sind Einfamilienhäuser dran.

Das ist wesentlich einfacher, denn oft ist bei denen ein offener Kamin eingebaut worden.

Einfach durchs Rohr geflutscht und schon bin ich drin.         

Dumm ist nur, wenn die Feuerstelle mit Gussrahmen und hitzebeständigem Glasfenster abgedichtet wurde. Auch so eine neue Mode, auf die ich vorbereitet sein muss.

In dieser Situation kommt meine Brechstange im Einsatz. Ruck zuck ist das Türchen aufgehebelt.

Richtig unangenehm ist es nur, wenn im Kamin noch Feuer brennt.

Trotzdem wird von mir erwartet, dass ich aufgehängte Strümpfe mit Leckereien fülle. Verschmorte Barthaare mit Ruß bestäubt könnte ich in die Socken legen, und damit schön dreckig machen. So eine kleine Rache würde mir richtig gut tun.

Aber dann überlege ich es mir noch rechtzeitig und erfülle den Wunsch der Hausbesitzer. Schließlich ist Weihnachten.    

Bevor ich zum nächsten Einsatzort eile, sind meine Brandblasen verheilt.

 

In einem Wohnzimmer sitzt ein kleiner Junge mit rot verheulten Augen. Wie ein verknäultes Taschentuch sieht er aus, ein Bild des Jammers.

Weit und breit ist kein Angehöriger zu sehen, der ihn tröstet.

Ohne Kinder würde es mich gar nicht mehr geben. Nur die Kleinen glauben noch an Wunder zur Weihnachtszeit und geben mir eine Existenzberechtigung.

Irgendwas stimmt hier nicht. Neugierig gehe ich zu dem Kind und spreche es an.

 

„Warum weinst Du? Gerade in diese Nacht solltest Du Dich freuen, weil der Weihnachtsmann kommt und Geschenke bringt. Alle anderen Kinder liegen um diese Zeit längst in ihrem Bettchen und schlafen.“

Der Kleine erschreckt nicht mal, als ich plötzlich vor ihm stehe. Zu sehr hält ihn sein Unglück gefangen.

„Ich will keine Geschenke und den Weihnachtsmann gibt es sowieso nicht“, mault er mich an.

„Keine Geschenke? Das ist allerdings bedenklich.

Wer hat gesagt, es würde mich nicht geben? Schau mich an. Wie sehe ich aus?“

„Ehrlich gesagt, ziemlich bescheuert. Als Einbrecher solltest Du Dich nicht als Märchenfigur verkleiden.“

„Was ich anhabe ist kein Kostüm, sondern mein Arbeitsanzug. Ich laufe das ganze Jahr so rum.“

„Ehrlich? Warum das denn? Sieht ja lächerlich aus.“

„Hast Du schon mal einen Weihnachtsmann mit Schlips und Kragen gesehen, oder, noch schlimmer, dass er Shorts und Sandalen anhat?“

„Nee, noch nie.“

„Eben drum. Wenn ich etwas anderes trage, dann erkennt mich ja keiner.“

„Du willst der wirkliche, einzig wahrhaftige Weihnachtsmann sein?“

„Es gibt nicht nur einen Vertreter meiner Art. Wir sind sogar recht viele. Aber für Dich werde immer nur ich zuständig sein. Auch wenn Du groß bist und nicht mehr an mich glaubst.“

„Kannst Du Wunder vollbringen?“  

„Ist es denn kein Wunder, wenn Menschen sich vertragen?“

„Ich meine wirkliche Wunder, so was ganz und gar unmögliches.“

„Einen Elefanten werde ich Dir jetzt nicht herbeizaubern.“

„Nein, nein, das meine ich nicht.“

„Was willst Du dann?“

„Ich möchte bei meiner Mama sein. Seit sie tot ist, bin ich jedem im Weg und kommendes Jahr, werde ich in ein Internat abgeschoben. Selbst in dieser Nacht kümmert sich Papa nur um seine Freundin.

Früher benahm er sich mir gegenüber ganz anders. Er hatte mich richtig lieb. Stolz spielte er mit mir und lachte, wenn ich etwas besonders gut konnte. Doch seit diese aufgetakelte Ziege ihn in ihren Klauen hat, wünscht er sich, ich wäre bei dem Autounfall auch gestorben.“

„Na, na, übertreibst Du nicht ein bisschen?“

„Das tu ich nicht!“, trumpft das Kind trotzig auf. Dann erzählt es alles, was auf seinem kleinen Herzen liegt und so fürchterlich weh tut.   

Voller Mitleid möchte ich der verletzten Seele des Kleinen Linderung verschaffen.

„Komm mit und leg Dich ins Bett. Wenn Du die Augen zu machst, dann bringe ich Dich zu  Deiner Mutter. Versprochen.

Dein und ihr Herz sind untrennbar miteinander verbunden. Spreche Dich mit ihr aus. Ihr Rat wird Dir helfen. Du bist nicht allein, warst es nie gewesen und wirst es in auch Zukunft nicht sein“.

Bereitwillig geht der Junge mit mir in sein Zimmer und legt sich hin. Vertrauensvoll schließt er die Augen. Kurz darauf steht seine Mutter vor ihm.

Lächelnd sehe ich zu, wie sich beide glücklich umarmen.

 

Mein nächstes Ziel ist eine vornehme Villa.

Unbekümmert gehe ich rein, als ein ohrenbetäubender Krach mich erschreckt. Verdeckt installierte Bewegungsmelder haben den Höllenlärm ausgelöst, weil eine Kugel vom Tannenbaum runter gefallen ist und durchs ganze Zimmer rollt. Dennoch bleibe ich ganz ruhig. Bis der Wachdienst aufkreuzt, bin ich längst wieder weg. Die kriegen mich nie, lache ich mir ins Fäustchen.

„Stehen bleiben, Hände hoch, umdrehen“, brüllt mich jemand hinter meinem Rücken an.

Ich tue dem Schreihals den Gefallen und stehe einer mannshohen Schmeißfliege gegenüber. Rechts und links von ihr tauchen zwei weitere Exemplare der gleichen Gattung auf.

Es sind Menschen, die schwarze Lederkleidung anhaben, ihren Oberkörper mit schusssicheren Westen schützten, rutschfeste Stiefel und auf dem Kopf Helme tragen, die an Facettenaugen eines Insekts erinnern.

„Was machen Sie da?“, herrscht mich eine der vermummten Gestalten an. Drohend hat sie ein Maschinengewehr auf mich gerichtet.

„Nach was sieht es denn aus?“

Ich breite meine Arme aus und drehe mich so, dass die ganze Kleidung begutachtet werden kann.

„Still stehen, sonst…“

„Was sonst. Wollen Sie wirklich hier rumballern und die Bewohner des Hause zu Tode erschrecken?“

„Ich stelle die Fragen! Wer sind sie und was haben Sie hier zu suchen?“

„Sie glauben mir ja doch nicht, wenn ich Ihnen sage, dass ich der Weihnachtsmann bin und von den Kindern des Hauses sehnlichst erwartet werde.“ 

„Verarschen kann ich mich alleine“.

„Warum tun Sie es dann nicht?“

„Maul halten Bürschchen. Dir wird das Lachen schon vergehen. Festnehmen!“

Als die untergeordneten Kollegen des Brüllaffen das Kommando hören, stürzen sie sich auf mich und – fallen mit voller Wucht zu Boden.

Autsch, das muss weh getan haben.

„Wer nicht an mich glaubt, für den bin ich Luft, wie Ihr gerade herausfinden konntet“, erkläre ich den verdutzten Wachmännern.

„Warum seid Ihr eigentlich so schnell gekommen? Normalerweise bleiben mir noch ein paar Minuten, nachdem der Alarm ertönt“.

„Aber nicht, wenn ein Politiker im Haus wohnt. Der wird rund um die Uhr vom BKA bewacht“.

„Ach so. Gewählte Volksvertreter, müssen vor normalen Bürgern beschützt werden. Das hätte ich mir eigentlich denken können. Zum Glück bin ich nicht gewählt worden. Mir will niemand an den Kragen.

Ob ihr’s glauben wollt, oder nicht, ich bin der Weihnachtsmann. Aber für Euch wäre es besser, Ihr würdet nichts von mir im Bericht erwähnen. Wer befördert werden will, der darf sich nicht lächerlich machen.“

„Ich befördere Dich gleich – nach draußen“, knurrt der Anführer ärgerlich.

Meine Gegenwart scheint ihm unheimlich geworden zu sein. Es gibt keine Vorschrift in der steht, wie er mit mir umgehen soll. Seine ganze, durch Paragraphen geregelte Welt, gerät mit meinem Erscheinen ins Wanken.

„Hast Du’s immer noch nicht kapiert? Wie willst Du jemanden rauswerfen, den es Deiner Meinung nach gar nicht gibt?“

„Aber ich sehe Dich doch und kann hören, was Du sagst“.

„Das ist alles nur Einbildung, vertraue mir. Es gibt keinen Beweis für meine Existenz. Es sei denn, Du glaubst an mich. Dann ist die Sache allerdings komplizierter. Jedoch versichere ich Dir, dass Du Dich bei Deinem Arbeitgeber zum Gespött machen wirst, wenn das bekannt werden sollte.  

„Hau endlich ab, ich habe nichts gesehen!“

„Kommst Du auch bei mir zu Hause vorbei? Meine Kinder freuen sich riesig, wenn der Weihnachtsmann da war“, fragt noch ganz schnell einer der vermummten Männer.

„Wo ist das?“

„Wahrend ich die Adresse bekomme, zischt sein Vorgesetzter „ hundsgemeiner Verräter“.

„Bin gleich bei ihnen. Fröhliche Weihnachten“, wünsche ich allen Anwesenden und verschwinde.

 

Als ich den Flur der Wohnung des BKA-Beamten betrete, zieht ein stechender Geruch in meine Nase. Ich ahne woher der kommt. Beim öffnen des Schuhschranks, wird das ganze Elend sichtbar. Von außen sind die Treter der dort lebenden Kinder zwar sauber geputzt worden, doch das ändert nichts daran, dass mir beinahe die Luft wegleibt.

Winterstiefel befinden sich auch im Schrank. Deren Dunst, erinnert an überreifen Käse. Kampfgas könnte nicht übler riechen.

Solche Stinkstiefeln, doch keine Damenschuhe in Sicht, lassen mich vermuten, dass ich in einem reinen Männerhaushalt gelandet bin. Die Kleinen scheinen keine Mutter zu haben, deren Näschen empfindlicher und die sich um nicht sichtbare Dinge des Lebens kümmert.  

In Gedanken höre ich schon empörtes Aufschreien der Männerwelt. Das könnt ihr euch sparen, meine Herren. Es ist eine Tatsache, dass ihr gerne überall eure Duftmarke hinterlasst und es überhaupt nicht merkt. Wie viele Jahre vergingen, bis das erste Männer-Deo in den Regalen der Märkte stand? Damals traute sich kaum jemand, den sportlich herben Duft an sich ran zu lassen. Aber ein, seit drei Tagen verschwitztes Hemd, wanderte noch lange nicht in den Wäschekorb. Es sei denn, die genervte Hausfrau hatte es klammheimlich hinein getan.

Ein ähnliches Phänomen begegnet mir jetzt bei den Kindern und dem, was sie an ihren Füßen tragen.

Als hätten sie ihre Nasen abgeschraubt, scheint sie Käsfußgeruch nicht zu stören. Normaler Weise steckt eine Mutter solche Turnschuhe ab und zu in die Waschmaschine, doch so ein hilfsbereiter Geist scheint in diesem Haushalt zu fehlen.   

Was kann ich jetzt bloß tun?

Süßigkeiten in alte Schweißlatschen zu stecken, verbietet mir meine Ehre als Weihnachtsmann. Welchen Geschmack würden Lebkuchenherzen und Zimtsterne wohl in kürzester Zeit annehmen?

Pfui Teufel, besser nicht daran denken, sonst wird mir schlecht.

Ratlos sehe ich in meinem Sack nach und entdecke die Lösung des Problems.

Wie aus dem Nichts, liegen zwei Paar Turnschuhe bester Qualität drin. Ich schöre, sie nicht eingepackt zu haben. (Die Marke geht niemand was an, doch beide Kinder werden begeistert sein) Erleichtert fülle ich sie mit Marzipankugeln und andere Leckereien.

So macht die Bescherung richtig Freude. Zu gerne würde ich in die leuchtenden Augen der Kleinen blicken, wenn sie ihre Gaben entdecken.  

 

Ich warne ausdrücklich davor darauf zu spekulieren, dass der Weihnachtsmann neue Schuhe besorgt. So etwas müssen Eltern, oder andere Erwachsene tun, die in irgendeiner Verbindung zu den Kindern stehen. Dieser Fall war eine absolute Ausnahme. Meiner Meinung nach wird sich so was nicht wiederholen.  

Wenn Wunder geschehen, dann habe ich sie nicht bestellt und bin nur Erfüllungsgehilfe einer höheren Macht.  

 

Für den Moment habe ich die Schnauze gestrichen voll. Sollen meine Kollegen weiter machen, ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten.

Was ist in dieser in dieser Nacht alles geschehen?

Mehrere Einbrüche in fremde Wohnungen gehen auf mein Konto.

Bin ins offene Feuer getappt,

habe ein Kind entführt,

mich mit dem BKA angelegt,

und der Gestank von Schweißfüßen, haftet immer noch in meiner Nase.

 

Es reicht. Jetzt brauche ich dringend eine Verschnaufpause.

„Tschüß, bis zum nächsten Jahr“.

 

       

Tannenbaum in Not

 

Schneegestöber bedeckte die Kleinstadt mit einem dicken Mantel aus eisigen Kristallen. Räumdienste waren rund um die Uhr im Einsatz. Kaum hatten Bewohner den Gehweg vor ihren Häusern freigeschaufelt, hinterließen tiefe Fußabdrücke von Passanten erneut eine  Spur. Nur wer Zeit hatte, inne zu halten und sich umzusehen, entdeckte die Schönheit, des in ein Winterparadies verwandelten Ortes.

 

Die Zweige der auf dem Marktplatz aufgestellten Tanne bogen sich unter der niedergefallenen Last. Niemand achtete darauf, dass der Baum die weiße Pracht kaum noch tragen konnte. Seine Äste drohten abzubrechen.

Die Tanne sehnte Hilfe herbei, doch niemand bemerkte ihr Flehen.

In Gedanken kehrte sie zu dem Ort zurück, wo sie aufgewachsen war.

 

Gemeinsam mit ihren Schwestern aus der Schonung am Waldrand hatte sie von einer Ehre geschwärmt, die sie nur durch das Gezwitscher der Vögel her kannte. Was Ehre bedeutet, wussten die Bäume nicht. Aber die Berichte darüber hörten sich so gut an, dass jeder sie haben wollte. Aus diesem Grund wünschten sich alle anwesenden Bäume, an Weihachten bunt geschmückt und mit leuchtenden Kerzen versehen, im Mittelpunkt menschlicher Feierlichkeiten zu stehen.

 

Als eine Kettensäge mit der Umarmung an ihrem Stamm begann, färbten sich einige Nadeln der nahe stehenden Geschwister gelb vor Neid.

Sie konnten nicht ahnen, wie einsam und hilflos sich die Tanne im Zentrum der Stadt fühlen würde.

Kein Krippenspiel wurde von ihren stolzen Ästen überragt und keine Sternsinger verzauberten um sie herum stehende Leute. Alles, was die Spatzen erzählt hatten, war erstunken und erlogen.

Den Wettereinflüssen schutzlos ausgesetzt stand sie traurig da und erwartete ein freudloses Ende. Enttäuscht, weil sich kein Mensch ihrer Notlage erbarmte, weinte sie zäh fließendes Harz aus dem Stamm. Doch auch das blieb unbemerkt.    

 

Der Wind wurde schwächer. Die Schneeflocken tanzten nun zur Erde und lockten immer mehr Menschen aus ihren Häusern. In kurzer Zeit war der Marktplatz belebt

 

Kräftiges Rütteln befreiten die unteren Zweige der Tanne von ihrer Last.

Erleichtert hoffte die Tanne, dass sich ihr Schicksal wenden würde und sie den angekündigten Glanz der Feiertage kennen lernen durfte.

„Nicht die starken. Meine dünneren Äste in der Mitte sind in Gefahr. Dort musst Du schütteln“.

„Ich weiß, aber dort oben komme ich nicht ran. Du bist viel zu groß für mich und ich bin doch noch ein Kind. Um den Schnee von Dir abschütteln zu können, fehlt mir die Kraft“, antwortete ein kleines Mädchen.

„Wieso kannst Du meine Hilferufe wahrnehmen?“, dachte die Tanne verwirrt. Können alle Menschen mich hören?“

„Nein, ganz bestimmt nicht. Die Anderen lachen mich aus, weil ich mit Tieren und Pflanzen spreche. Na ja, richtiges Reden ist das auch gar nicht, ich versuche mit Deiner Seele Kontakt aufzunehmen, deshalb fühle ich mit Dir.“

„Ich soll eine Seele haben? Was ist das?“

„Bist Du nun traurig, oder nicht?“

„Ja schon, ich bin traurig, - sehr sogar.“

„Dann hast Du auch eine Seele. Alles, was auf der Erde lebt hat eine Seele.“

„Wenn die Seele traurig macht, dann will ich keine haben.“

„Aber um glücklich zu sein brauchst Du sie doch auch. Außerdem ist es egal, ob du eine Seele haben willst, oder nicht. Sie ist einfach da.“

„Klingt ganz schön kompliziert. Glauben alle Menschen dass ich so was habe?“

„Leider nein. – Im Augenblick handele ich mir damit mehr Ärger ein, als mir lieb ist und das finde ich gar nicht lustig.“

„Wie heißt Du?“

„Nenn mich einfach Julia.“

„Kann ich Dir irgendwie helfen?“

Julia lächelte. „Ich glaube, momentan brauchst Du mehr Hilfe als ich. Mir ist auch schon etwas eingefallen, das funktionieren könnte. Warte einen Augenblick, ich bin gleich wieder da.“

 

Der Tanne blieb gar nichts anderes übrig, als zu warten. Sie konnte sich schließlich nicht von der Stelle bewegen. Aber die Begegnung mit Julia hatte sie so zum Grübeln gebracht, dass alle Ängste verschwunden waren.

 

„Da bin ich wieder und habe meinen Freund Mirko mitgebracht“.

Vor dem Baum stand das Mädchen, in dessen Armen ein Kater lag.

„Was willst Du denn mit dem Tier anfangen? Meine Zweige brechen bald weg, sie müssen unbedingt vom Schnee befreit werden. Ich dachte, Du bringst eine lange Stange mit.“

„Keine Angst, Mirko macht das viel besser und vor allem unauffällig. Glaubst Du im Ernst, die Erwachsenen würden es mir erlauben an Dir mit einer Stange herumzufuchteln? Bevor der erste Ast vom Gewicht befreit ist, haben die mich weggejagt. Aber Mirko, um den kümmert sich niemand. Der kann in aller Ruhe auf Dir herumklettern und so lange von einer Stelle zur anderen springen, bis kaum noch Schnee zu sehen ist. Vertraue mir“.

 

Mirko sah mit Schrecken, was Julia von ihm verlangte. Er hasste Schnee und die Vorstellung, dass Massen von dem kalten Zeug auf sein warmes Fell fallen würden, ließ ihm die Haare zu Berge stehen. Aber um Julia einen Gefallen zu tun, war Mirko auch dazu bereit. Außerdem hatte sie ihm ein großes Stück gebratene Leber versprochen, wenn sie mit dem Ergebnis seiner Turnerei zufrieden sein würde.

 

Der Schnee rieselte von fast allen Nadeln herab, nur ein kleiner weißer Schatten blieb am Baum hängen.

Genüsslich streckte die Tanne ihre gekrümmten Glieder aus und zeigte sich in voller Pracht.

„Beeindruckend siehst Du aus, richtig majestätisch. Neben so einem schönen Weihnachtsbaum fand noch nie das Krippenspiel statt“, dachte Julia anerkennend.

„Krippenspiel? Gibt es das wirklich? Ich dachte schon, die Spatzen hätten sich das nur ausgedacht, um sich über uns Bäume lustig zu machen. Weil wir uns nicht wehren können, sind die manchmal sehr frech. Machst Du auch bei dem Spiel mit?“

„Du stellst aber viele Fragen. Um mitzuspielen bin ich noch zu jung.

Jetzt muss ich mich aber beeilen, gleich kommen die Gemeindearbeiter. Sie sperren den Platz ab, um ungestört die Kulisse aufzustellen. Außerdem wartet Mirko auf seine Belohnung.“

„Und was ist mit den Sternsingern?“, fragte die Tanne noch schnell hinterher.

„Gesungen wird wenn Weihnachten vorbei ist. Wir treffen uns bei Dir, teilen uns in Gruppen ein und ziehen dann in verschiedenen Richtungen durch den ganzen Ort.“

„Wir?“

„Ich bin auch dabei. Sternsinger sammeln für Not leidende Kinder auf der ganzen Welt, da darf ich mitsingen. Jetzt muss ich aber los.“

Bevor die Tanne noch mehr Fragen stellen konnte, rief Julia ihren Mirko zu sich und ging mit ihm nach Hause.

 

Kaum war das Mädchen außer Sichtweite, kamen die Männer mit den notwendigen Aufbauten für das Schauspiel.

Interessiert sah die Tanne zu. Bei dem ganzen Lärm, den die Arbeiter verursachten, fiel es ihr gar nicht auf, dass es aufgehört hatte zu schneien.

Nach und nach strömten neugierig gewordene Menschen herbei. Die meisten von ihnen bewunderten den geraden Wuchs und die dichten Zweige des diesjährigen Weihnachtsbaumes.

 

Es wurde dunkel, bald sollte das Krippenspiel beginnen.

Am Himmel funkelten Sterne wie Juwelen. Weihnachtliche Musik erklang und lockte die Einwohner zur Mitte des Marktplatzes.

Mit glitzernden Girlanden geschmückt stand die Tanne im Mittelpunkt des Geschehens. Stolz und glücklich genoss sie ihren Ehrenplatz.

 

Am folgenden Tag ging Julia zum Marktplatz um zu erfahren, wie dem Baum das Krippenspiel gefallen hat.

„Es war traumhaft schön. Zwar habe ich nicht verstanden um was es da ging, doch ich fühlte, wie die Menschen von der ganzen Atmosphäre verzaubert wurden. Es fehlte nicht viel und ich hätte mit ihnen Kontakt aufnehmen können. Komm näher zu mir, ich möchte Dir etwas geben“, bat die Tanne.

Als Julia die ersten Zweige berühren konnte, fielen Schuppen und geflügelte Samen aus den Tannenzapfen heraus.

„Was soll ich denn damit anfangen?“, fragte Julia erstaunt 

„Wir Tannenbäume vermehren uns immer so. Hebe bitte einige Samen auf, nimm sie mit und setze möglichst viele von ihnen in die Erde am Waldrand. Nicht alle werden keimen, deshalb streuen wir auch so viele aus. Am Liebsten wäre es mir, Du könntest zur Tannenschonung gehen, wo ich gefällt wurde. So könnten meine Kinder unter ihresgleichen aufwachsen. Tust Du mir den Gefallen?“

 

Julia griff in ihre Manteltasche und holte eine fast leer gefutterte Tüte mit Gummibärchen hervor. Sie stopfte die restlichen Süßigkeiten in den Mund und sammelte alles auf, was in ihrer Reichweite lag. 

Als nichts mehr im Schnee lag versprach sie, die Samen an der gewünschten Stelle einzupflanzen.

Die Tanne war erleichtert.

„Weißt Du, mit jedem Keimling werde ich weiterleben. Das ist nun Mal in der Natur so. Nichts geht verloren. Alles kommt wieder, nur in veränderter Form. Noch habe ich genügend Saft im Stamm, um meine Zweige aufrecht zu halten. Aber bald ist er aufgebraucht. Täglich verliere ich mehr Kraft und werde müde. Bevor alle Nadeln abfallen, habe ich nur noch den Wunsch vom Feuer in die Luft getragen zu werden.“

Als Julias das hörte, glänzten Tränen in ihren Augen.

„He, Kleine, nicht weinen. So ist das Schicksal der Bäume.

Euer Weihnachtsfest war das schönste Ereignis, dass ich mir vorstellen kann.

Mit meinen letzten Energiereserven werde ich noch einige Tage durchhalten und auf die Sternsinger warten. Aber dann muss Schluss sein.

Mein Holz trocknet aus und sehnt sich nach Hitze, die es in Rauch aufgehen lässt. Kannst Du das verstehen?“

 

„So lange Du noch bei uns bist wünsche ich Dir schöne Feiertage “, übertrug Julia in Gedanken.

„Dir wünsche ich auch ein gesegnetes Weihnachtsfest.“

„Wo hast Du denn den Spruch her?“

„Ach, den habe ich gestern beim Krippenspiel aufgeschnappt. Ich gebe ihn an Dir weiter, weil er mir so gut gefallen hat."

 

 


Als der Weihnachtsmann Schnupfen bekam

Ein ungewöhnlich lautes Geräusch erfüllte die Weihnachtswerkstatt.

"Hatschi!"
Kurz darauf wieder.
"Hatschi!"
Ihm folgte ein langes, erleichtert klingendes "Aaaahhhh".
Was war das?
Es hörte sich nach einem schlimmen Schnupfen an.
Doch nur Menschen mussten darunter leiden.
In der Weihnachtswerkstatt lebten aber keine Menschen. Hier war das Zuhause von Wichten, Elfen, Rentieren und dem Weihnachtsmann. Alles himmlische Wesen, die niemals krank wurden.
"Hatschi!"
Beunruhigt sahen sich die Wichte gegenseitig an. Wo kam dieser Krach her? Hatte sich etwa ein Erdenbürger in die Weihnachtswerkstatt eingeschlichen und wenn ja, wie konnte das geschehen?
Gab es eine unentdeckte Möglichkeit, die Sperre zwischen Erde und Traumwelt zu überwinden?
In den Tagen kurz vor Weihnachten hatten die Wichte eigentlich keine Zeit, um sich mit irgend etwas anderem zu beschäftigen, als mit der Herstellung von Spielsachen. Aber dieses ständige "Hatschi" beunruhigte sie so sehr, dass die ganze Produktion stockte.
So etwas durfte nicht geschehen, denn jede Sekunde war kostbar.
Entschlossen erklärten sich zwei Wichte bereit, nach dem Störenfried zu suchen. Sehr schnell fanden sie heraus, dass dieses Hatschi am lautesten klang, wenn sie ganz dicht vor der Tür standen, hinter der sich das Büro des Weihnachtsmannes befand. Zaghaft klopften sie an.
Sie hatten ihren obersten Chef schon oft beim Begutachten der hergestellten Geschenke gesehen, aber immer nur von weitem. Ihm persönlich, waren sie noch nie gegenüber getreten. Ein ungutes Gefühl beschlich sie. Wie würde er reagieren, wenn sie ihren Verdacht äußerten, dass sich ein Sterblicher in seinen Räumen versteckt haben müsse. Hörte er ihnen zu, oder warf er sie gleich hinaus?
Ein krächzendes, doch gut vernehmbares "Herein", zerstreute alle Bedenken. Ehrfürchtig traten die verschüchterten Wesen ein. Schon beim Öffnen der Tür empfing sie jenes trompetende Hatschi, dem sie auf der Spur waren.
Neugierig sahen sie sich um. Vor ihnen stand ein überdimensionaler Schreibtisch, der mit Briefen überhäuft war. Dahinter saß er, der Weihnachtsmann.
Er war Ansprechpartner aller Kinder, die auf der ganzen Welt verstreut lebten und mehr als tausend verschiedene Wünsche an ihn hatten. Außerdem war er die Hauptfigur vieler weihnachtlichen Geschichten, mit denen sich Menschen gerne in eine besinnliche Stimmung brachten.
Den Kopf hatte er auf beide Hände gestützt. Die rot entzündete Nase war völlig verkrustet und ein nicht unterdrückbarer Drang zwang den Weihnachtsmann immer wieder, zu jenem kräftigen Hatschi. Seine Augen tränten. Sie hatten ihren freudigen Glanz verloren und sahen eher gequält als gütig aus. Zudem glühten beide Wangen, als hätte er zu lange vor einem heißen Ofen gesessen. Alles in allem bot er ein Bild des Jammers.
Entsetzt sahen sich die Wichte an. Viele Fragen schossen ihnen durch den Kopf. Doch im Angesicht ihres leidenden Arbeitgebers stammelten sie nur leise:
"Wie können wir Ihnen helfen?"
Der Weihnachtsmann hob erstaunt den Kopf.
"Ihr - mir helfen?" Er wollte schon entmutigt abwinken, aber dann besann er sich noch rechtzeitig.
"Ja, vielleicht gibt es doch etwas, womit ihr mir helfen könnt.
Findet das Kind, welches mir diesen Schnupfen gewünscht hat und bringt es zu mir".
"Sich wünschen, dass der Weihnachtsmann eine Erkältung bekommt? Aber himmlische Wesen können doch gar nicht krank werden. So etwas ist doch ganz
Unmöglich!"
"Leider nicht", erhielten sie als Antwort. "Wenn ein Kind sich wünscht, dass ich nicht auf die Erde kommen kann, weil meine Nase ganz verstopft ist, dann wird dies auch so geschehen,"
"Das ist ja eine Katastrophe!", riefen sie aufgeregt. "Wie kann ein kleiner Erdenbürger so viel Macht besitzen und uns das antun? Wozu haben wir die Sperre zur Traumwelt, wenn diese überwunden werden kann?"
"Es muss schon ein ganz besonderes Kind sein, wenn es unsere Barriere durchbricht", hörten sie den Weihnachtsmann sagen. "Vor allem darf es nur in bester Absicht handeln und nicht etwa aus Rache oder Profitgier. In all den Jahren, die ich diese ehrenvolle Aufgabe verrichtet habe, ist mir so etwas noch nicht passiert und ich hoffe, es auch nie wieder erleben zu müssen.
Für gewöhnliche Menschen ist die Sperre ein unüberwindbares Hindernis, aber es gibt auch Ausnahmen. Sobald ihr das Kleine gefunden habt, müsst ihr mit ihm zu mir kommen."
Die erschütternde Nachricht über den Gesundheitszustand des Weihnachtsmannes verbreitete sich in Windeseile. Wichte und Elfen dachten angestrengt darüber nach, wie sie ein Kind finden konnten, das freiwillig auf alle Geschenke verzichten würde.
Weihnachten ohne festliche Gaben, war für alle Mitarbeiter einfach undenkbar.
Doch was blieb ihnen übrig? Wenn der Schnupfen des Weihnachtsmannes andauerte, dann würde er seine Aufgabe nicht erfüllen können. Ein Unglück, dass sie unter allen Umständen verhindern mussten, komme was wolle.
Bei den Menschen angekommen, bemerkten die Wichte sogleich, dass sie für alle Sterblichen unsichtbar waren. Elfen, welche ihnen als Beraterinnen dienten, erklärten ihren Gefährten, was sie machen mussten, um von einem Ort zum anderen zu fliegen. Mit diesem Wissen ausgestattet, schwirrten die Himmelsbewohner in verschiedene Richtungen aus.
In die Herzen der Menschen zu blicken, war für Arbeiter der Weihnachtswerkstatt nichts Ungewöhnliches. So etwas machten sie täglich, wenn auch unbemerkt. Deshalb genügte es, wenn Elfen und Wichte ganz dicht an den Häusern der Erdbewohner vorbeiflogen, um zu wissen, ob sich das gesuchte Kind dort aufhielt.
Wie erwartet, strömte den zarten Wesen eine Flut von Hoffnungen und Weihnachtswünschen entgegen.
Mehrere Stunden lang suchten sie Städte, Dörfer und Länder der verschiedenen Erdteile ab, doch sie fanden keinen Menschen, der nicht die eine oder andere Erwartung an den Weihnachtsmann hatte. Erschöpft und entmutigt dachten sie schon daran, aufzugeben. Einen allerletzten Rundflug wollten sie noch unternehmen, dann hatten sie wirklich in jedem Winkel der Erde nachgesehen. Sie vereinbarten, sich nach ihrer letzten Reise, vor dem Portal eines schlossähnlichen Gebäudes zu treffen, um gemeinsam in ihre Traumwelt zurückzukehren.
Sollten sie das Kind bis dahin immer noch nicht gefunden haben, dann würde es in diesem Jahr keine Geschenke geben. - Für niemanden!
Müde, ratlos und enttäuscht kamen sie fast gleichzeitig bei ihrem Treffpunkt an.
Kaum hatten sie sich niedergelassen, da spürten sie die Anwesenheit mehrerer Kinder. Die Himmelsbewohner waren überglücklich, denn eines von ihnen strahlte keine Wünsche an den Weihnachtsmann aus.
Freudig flogen sie in das Gebäude hinein. In einem hübsch eingerichteten Zimmer entdeckten sie einen zehn Jahre alten Jungen, der friedlich in seinem Bettchen schlief und am liebsten ganz auf das kommende Fest verzichten würde. Wichte und Elfen umringten sein Lager, fassten sich an den Händen und dachten an ihre Rückkehr.
Einen Augenblick später waren sie wieder Zuhause. Den Jungen hatten sie mitgenommen. Er stand in ihrer Mitte und rieb sich ungläubig die Augen. Ein Wicht nahm seine rechte Hand.
"Hab keine Angst, ich erkläre dir alles später, doch jetzt müssen wir erst einmal zum Weihnachtsmann. – Du glaubst doch an ihn, oder?", flüsterte er dem Knaben ins Ohr, während er mit ihm zum Büro seines Chefs ging. Vor Erstaunen unfähig, ein einziges Wort hervorzubringen, nickte das Kind nur kurz.
Dann erlebte der Junge etwas, wovon er nie zu träumen gewagt hatte.
Er stand tatsächlich vor ihm, dem echten Weihnachtsmann!
Doch so erhebend, wie er sich diese Begegnung immer vorgestellt hatte, war sie gar nicht. Ganz im Gegenteil.
Ein erbarmungswürdig aussehender alter Mann, mit triefender Nase und gequältem Gesichtsausdruck saß vor dem Knaben. Nur sein prächtig weißer Bart und die rote Uniform mit den glänzenden, schwarzen Stiefeln verrieten, wer er in Wirklichkeit war.
"Du bist also das Kind, welches mir diesen Schnupfen eingebrockt hat. Na, dann komm mal zu mir und verrate mir wie du heißt".
Obwohl die Stimme ihren vertraut tiefen Ton verloren hatte, ging der Junge doch zu ihm und setzte sich auf seinen Schoß. Nachdem er sich vorgestellt hatte, fing er an sein Herz auszuschütten. Der Weihnachtsmann erfuhr, dass die Mutter von Klaus, so hieß das Kind, zwei Monate zuvor gestorben war und dass er jetzt in einem Kinderheim leben müsse. Der Heimleiter erzählte ihm, dass seine Mutter nun im Himmel sei und helfen würde, Geschenke für den "Heiligen Abend" herzustellen.
Als die Mutter von Klaus noch lebte, hatte er sehr lieb gehabt. Die Vorstellung, dass sie im Himmel arbeiten müsse, gefiel ihm überhaupt nicht. Ihr zuliebe wollte er gerne auf alle Geschenke verzichten.
"Deshalb wünschte ich dir einen Schnupfen, damit du nicht auf die Erde kommen kannst."
"Hohoho", protestierte der Weihnachtsmann. "An die anderen Kinder hast du nicht gedacht? Sie erhalten ja auch keine Geschenke, wenn ich nicht da bin. Kannst du das verantworten?"
"Nein", antwortete der Knabe sichtlich beeindruckt. "Daran habe ich nicht gedacht. Es tut mir leid, wenn ihnen wegen mir die Freude am Weihnachtsfest verdorben wird. Das wollte ich ganz bestimmt nicht."
"Nun lass mal den Kopf nicht hängen, noch ist es nicht zu spät. Wenn du mich von diesem lästigen Schnupfen befreist und mir danach beim Verteilen der Geschenke hilfst, dann können wir noch bis zum Tagesbeginn fertig sein. Morgen ist der erste Weihnachtsfeiertag, das weißt du doch hoffentlich - oder?" Der Weihnachtsmann lächelte dem Knaben aufmunternd zu.
"Und was geschieht mit meiner Mama," fragte der Junge schüchtern.
"Ach ja. - So einen Blödsinn wie das, was der Heimleiter dir erzählt hat, habe ich noch nie gehört!"
Nun klang der Weihnachtsmann richtig ärgerlich.
"Für die Herstellung der Geschenke habe ich meine eigenen Leute und die arbeiten sehr gerne bei mir. Du kannst sie ja gleich fragen. Den Leiter dieses Kinderheimes werde ich mir mal gründlich vorknöpfen. Wahrscheinlich ahnt er überhaupt nicht, welchen Schaden er beinahe angerichtet hätte.
Sei beruhigt, deiner Mutter geht es sehr gut. Sie wartet bereits ungeduldig darauf, dass sie dich durch ihr Wolkenfenster wieder beobachten kann."
Es gab noch vieles, worüber sich der Weihnachtsmann mit Klaus unterhielt. Nach jedem Wort wurde seine Stimme kräftiger, die Nase tropfte nicht mehr, und auch seine Kopfschmerzen verschwanden.
Wenig später machte er sich mit ihm auf den Weg, um die Erdenbürger zu bescheren.
Wer an diesem Abend aufmerksam in die Stille der Nacht lauschte, der konnte von weitem und ganz, ganz leise das Lachen eines überglücklichen Jungen hören.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Bernhardts Wandlung
 
 
 
Die Vorbereitungen zum Weihnachtsfest liefen auf Hochtouren.
Jedes Geschäft war sorgsam mit leuchtenden Lichterketten und schimmernden Christbäumen ausgeschmückt worden. Melodische Klänge heimischer Weihnachtsmusik stimmten unschlüssige Kunden auf die bevorstehenden Feiertage ein, und regten zum Kauf der angebotenen Waren an. Wie immer stieg um diese Jahreszeit der Umsatz in den Läden sprunghaft an. Von Jahr zu Jahr spielte sich das gleiche Szenario ab. Jedes Jahr wurden die Kunden immer geschickter dazu veranlasst, ihr Geld in jenem Laden auszugeben, wo sie sich gerade befanden und nicht bei der Konkurrenz.
Bernhardt Volker widerte diese ganze Geschäftemacherei an.
Was hatte dies alles noch mit Weihnachten zu tun?
Wer kümmerte sich noch um den ursprünglichen Sinn dieses Festes?
Wussten die Kinder heutzutage überhaupt noch was an Weihnachten gefeiert wurde, oder war es ihnen egal, solange die Geschenke nur groß und teuer genug ausfielen?
Angesichts des Konsumrauschs dem sich anscheinend jeder hingab, verhärtete sich Bernhardts Herz. Er sah sich regelrecht verfolgt von gierigen Verkäufern, die alle nur sein Bestes wollten – sein Geld. Nirgendwo entkam er der aufdringlichen Reklame, die ihn zum Kauf von unnützem Zeug verleiten sollte. Bernhardt empfand diese Tatsache belästigend, unmoralisch und abstoßend zugleich.
Genervt schaltete er sein Fernsehgerät aus und zog seinen Mantel an um sich beim spazieren gehen abzulenken.
Den ganzen Tag über hatte es geschneit. Bei jedem Schritt knirschte frisch gefallener Schnee unter seinen Füßen. Alle Häuser, Wege und sogar die Straßen waren überzogen vom glitzernden Weiß frisch gefallener Schneeflocken. Die ganze Gegend sah friedlich und rein aus, als wäre sie einem Märchenbuch entsprungen.
Bernhardt ging in Richtung Stadtmitte zu den bunten Straßenbeleuchtungen und Lichterketten, mit gut lesbaren "ein frohes Fest" -Wünschen.
Sein Weg führte ihn an mehreren Einfamilienhäusern vorbei.
Aus einem Haus drang aggressiv lärmende Musik und aus einem anderen hörte er lautes streiten überforderter Eheleute.
Welch eine Heuchelei,
Jeder erwartete zur Weihnachtszeit ein heiles Familienleben. Doch dort, wo man sich das ganze Jahr über kein freundliches Wort gönnte, konnten auch die aufwendigsten Weihnachtsvorbereitungen keine Harmonie herbeizaubern.
dachte Bernhardt. Überall wurde Frieden und Harmonie verkündet, doch wenn man genau hinsah, dann fand man in vielen Familien verdeckte Aggressionen, die zu jeder Zeit ausbrechen konnten.
Bernhardt war froh mit all dem nichts mehr zu tun zu haben. Seit seine Frau ihn verlassen hatte, lebte er alleine. Um der ungewohnten Einsamkeit zu entfliehen, besuchte er des öfteren seinen Bruder und dessen Familie. Doch dort wurde er sehr bald nicht mehr gerne gesehen.
Heinz, sein Bruder, konnte die Wahrheit einfach nicht vertragen.
Immer, wenn Bernhardt seinen Bruder darauf aufmerksam machte, dass dessen Frau ihr Geld sinnlos für allerlei "Schnickschnack‘ verplempere, wurde er barsch zurückgewiesen.
Es ginge ihn nichts an, erwiderte sein Bruder ärgerlich. Reiche es ihm denn nicht, dass er seine eigene Gattin wegen seines unerträglichen Geizes aus dem Hause vergrault habe?
So etwas musste sich Bernhardt nicht gefallen lassen.
Wo er Recht hatte, hatte er Recht!
Es war nicht einzusehen, warum sein Bruder an Karneval jede Menge Geld ausgab, nur weil zu dieser Zeit zum kollektiven Frosinn aufgerufen wurde. Meist endete dieser so genannte Frohsinn in unkontrollierten Besäufnissen mit darauf folgendem Brummschädel.
Warum musste seine Schwägerin zu Ostern bunt eingepackte Osterhasen kaufen, wenn zur gleichen Zeit die Tafel Schokolade viel günstiger und noch dazu in weit besserer Qualität angeboten wurde?
Und wozu brauchte eine Frau, die bereits vier paar Schuhe besaß, noch ein fünftes Paar?
Nein, mit Geiz hatten seine Vorhaltungen wirklich nichts zu tun. Er war nur vernünftig genug, um sein Geld nicht mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen.
Doch mit Vernunft hatte sein Bruder nichts am Hut. Er machte jeden Blödsinn mit und beschwerte sch dann auch noch, wenn man ihn darauf aufmerksam machte.
Solche und ähnliche Gedanken quälten Bernhardt immer wieder. Er fühlte sich missverstanden und wusste nicht, warum dem so war.
Offensichtlich kam er mit Menschen nicht zurecht. Deshalb war es wohl für alle das Beste, wenn er ganz für sich blieb.
Der kalte Winterabend besänftigte Bernhardts Gedanken. Interessiert schaute er sich die bunten Auslagen der Geschäfte an. Aus einer nahe liegenden Kirche erklang leise Orgelmusik und verzauberte mit ihren vorweihnachtlichen Klängen die gesamte Umgebung in einen Ort der Andacht, welcher sich auch Bernhardt nicht entziehen konnte. Er erinnerte sich an früher, als er ein Kind war und noch an den Weihnachtsmann mit seinem verzauberten Schlitten glaubte.
Vor dem Schaufenster des Spielzeugladens stand ein kleines Mädchen.
"Nanu junge Dame, so spät noch unterwegs, solltest du nicht schon lange zu Hause sein?" Sprach Bernhardt sie an.
Das Mädchen drehte sich um und sah ihn traurig an. Tränen rannen ihrem Gesicht herunter. Bernhardt blieb für einen kurzen Augenblick der Atem stehen. Ein seltsam stechender Schmerz durchfuhr sein Herz, und dennoch fühlte er sich irgendwie erleichtert. So, als wäre eine drückende Last von ihm abgefallen.
Dieses Kind sah aus wie ein Engel. Es ähnelte auffallend jenen himmlischen Wesen, die vom Altar aus auf gläubige Besucher der Kirche herunterblickten.
Goldglänzende Locken umrahmten ein kindlich rundes Gesicht. Dunkelbraune Augen blickten ihn mit entwaffnender Ehrlichkeit und tiefem Vertrauen an. Die Schneeflocken, welche auf das Haar des Kindes niederfielen, glitzerten wie Edelsteine und verliehen ihm ein märchenhaft sanftes Aussehen.
Dann begann das Mädchen zu erzählen.
Ihre Mutter war auf einen Betrüger hereingefallen. Alle Ersparnisse, mit denen sie zu Weihnachten Geschenke einkaufen wollte, waren verloren. Was nutzte es, dass die Polizei den Betrüger ausfindig machen konnte und ihn festnahm. Das erschwindelte Geld hatte dieser längst ausgegeben. Bei ihm konnte man nichts holen, er besaß kaum mehr, als er auf dem Leibe trug. Für sie und ihren Bruder bedeutete es aber, dass sie dieses Jahr ohne Weihnachtsgeschenke auskommen müssen.
"Mama ist deswegen sehr traurig. Damit sie sich nicht noch mehr Vorwürfe macht, habe ich mich heimlich davongeschlichen und schaue mir nun an, was ich zu Weihnachten bekommen hätte. So kann ich wenigsten ein bisschen davon träumen."
"Ja glaubt du denn nicht an den Weihnachtsmann?" Fragte Bernhardt betroffen. "Der bringt doch die Geschenke."
"Bei uns hat er sich noch nie blicken lassen", antwortete das Mädchen spontan. "Bisher hatte Mama immer alle Geschenke besorgt. Zwar sagt sie jedes Jahr, das Christkind habe die Geschenke gebracht, doch ich weiß ganz genau, wo Mama die Pakete versteckt, bevor sie diese unter den Weihnachtsbaum legt."
Gemeinsam mit dem Mädchen betrachtete Bernhard die Auslage des Spielzeugladens. Ganz nebenbei erfuhr er auch, dass sie Angelika hieß. Nachdem sie sich ausgiebig über jedes einzelne Ausstellungsstück unterhaltet hatten, brachte Bernhardt Angelika nach Hause.
Die Kleine schlich sich auf dem gleichen Weg ins Haus zurück, den sie genommen hatte, als sie es heimlich verließ, so dass ihre Mutter von dem unerlaubten Ausflug nichts mitbekam.
Am anderen Tag erkundigte sich Bernhardt etwas genauer über diese Familie.
Er erfuhr, dass der Vater von Angelika bei einem Unfall ums Leben gekommen war und seit dieser Zeit die Witwe mit ihren Kindern auf sich allein gestellt lebte.
Trotz des stark eingeschränkten Familieneinkommens schaffte es die Mutter immer wieder, dass es ihren Kindern an nichts mangelte.
Egal bei wem sich Bernhardt erkundigte, immer hörte er nur Gutes über die Frau und deren Kinder.
Bernhardt hatte eine Idee wie er Angelika und ihrem Bruder doch noch ein frohes Weihnachtsfest bereiten konnte. Dass solche Gedanken ausgerechnet von ihm kamen war so ungewöhnlicht, er wollte es selbst kaum glauben.
Hier war ein kleines Mädchen, dem er ohne Schwierigkeiten helfen konnte. Sie bat um nichts, sie war einfach nur da und ließ ihn an ihrem Unglück teilhaben.
Bernhardts Herz hätte aus Stein sein müssen, wenn ihn die Geschichte dieses Kindes unberührt gelassen hätte. Sein Herz war nicht aus Stein, auch wenn viele Menschen das glaubten. Also leitete er alles in die Wege, um seine Idee zu verwirklichen.
Es war ein Tag vor dem 24sten Dezember und Bernhardt konnte weit und breit keinen Menschen auftreiben, der für ihn den Weihnachtsmann spielen wollte. Auch alle Kostüme waren bereits verliehen. Notgedrungen schnitt sich Bernhardt aus starkem Karton Engelsflügel aus, beklebte diese mit goldfarbenem Bastelpapier und befestigte sie an seinen besten Anzug.
Ein Blick in den Spiegel sage ihm, dass er das weltweit komischste Christkind war, welches jemals auf die Menschheit losgelassen wurde.
Bernhardt war über fünfzig Jahre alt, hatte einen nicht zu übersehenden Bauchansatz, Stirnglatze und einen dicken Schnauzbart. Dies in Verbindung mit Engelsflügel zu sehen, war ein Gegensatz, der unweigerlich zum schmunzeln anregte.